Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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er aus:Gott ſei mir gnädig! und ſank bewußtlos nieder.

Gotthelf und Waldmann ſprangen ihm zu Hülfe, tief erſchüttert, daß er ihr Vater ſein ſollte.

Während im Hauſe Alles todtenſtill war, wurde es draußen lebendig. Man hörte Pferde, es raſſelten öſtrei⸗ chiſche Reiter heran. Der Major hatte ſeine Leute, mit denen er an dieſem Abende abmarſchiren ſollte, in der Nähe gehabt. Dieſe hatten die Schüſſe gehört und kamen nun herbei, um Hülfe zu leiſten. Sie umzingelten das Haus, etliche ſaßen ab und drangen ein. Als ſie den Ma⸗ jor, die preußiſchen Unteroffiziere, die Verwirrung ſahen, glaubten ſie, er ſei überfallen worden, und wollten ihn be⸗ freien und die Preußen gefanigen nehmen. Gertrud rang die Hände in Todesangſt. Da ertönte ein Geraſſel von Pferden und lauter Trompetenſtoß. Gleich darauf draußen ein Tumult und Geſchrei, das Niemand erklären konnte. Bevor man ſich beſinnen konnte, was geſchehen war, ſtürz⸗ ten preußiſche Offiziere, einen Feldprediger in ihrer Mitte, ins Gemach. Dieſer rief:Im Namen Gottes haltet ein! Es iſt Friede! Friede!

Als habe Gott ſelbſt nach dem langen ſiebenjährigen Elende das Wort der Gnade gerufen, ſo ſchlug es mit überzeugender Gewalt, dem Blitze gleich, in die Herzen ein und jauchzend riefen Alle:Friede! Friede! und fielen einander, Feinde und Freunde, in heißer Umarmung ans Herz..

Eben war die Nachricht durch einen Eilboten aus Hu⸗ bertsburg ins preußiſche Lager gekommen und wurde allen Truppen jubelnd verkündet. Da hörte man die Schüſſe, glaubte, es ſei ein Gefecht vorgefallen, und ſogleich wurden, um nun anch jeden Tropfen unnütz vergoſſenen Bluts zu