Händen hatte man ſie in eine Ecke der Hausflur geworfen und erſt jetzt, da das Getümmel nachließ, hatte ſie ſich hervorgewagt und ihrer Bande entledigt. Sie kam nun, nach ihrem Kinde, dem holdſeligen Annchen, zu ſehen, die halb ohnmächtig zurückgeſunken in dem Lehnſeſſel ſaß. „Was thut Ihr hier?“ fragte ſie ſtaunend, als ſie die
Zeichen auf den entblößten Schultern, und was zwiſchen
den Brüdern vorging, ſah.„Erkennt Ihr Euch an dieſen Buchſtaben?— Ja, es iſt ſo, es iſt nicht anders mög⸗ lich,“ rief ſie, indem ſie die Zeichen näher betrachtete! „Gottes Wege ſind wunderbar! Ich will Euch auch Eine zeigen, die ſolche Erkennungsbuchſtaben trägt,“ und da— mit entblößte ſie Annchen's weiße Schulter, indem ſie das halbzerriſſene Kleid vollends abſtreifte.„Stimmt das?“ fragte ſie.
„Heilige Mutter Gottes!“ rief Gertrud.„Es iſt das
Kind meines Herzens! Stirb mir nicht!“ Und mit Küſ⸗ ſen und Thränen drückte ſie die Ohnmächtige ans Herz.
„Alſo Ihr wäret die Frau im Walde an der böhmi⸗ ſchen Grenze geweſen?“ fragte Kathy ſtaunend,„nimmer⸗ mehr, die hatte kein Lebenszeichen mehr!“
„Ja, ich bin's— das ſind meine drei Kinder, Nie⸗ mand darf ſie mir nehmen!“ rief Gertrud.„Ein Schuß hatte mich niedergeſtreckt; ich lag lange bewußtlos und, als ich aufwachte in einer dunkeln Köhlerhütte, da waren meine Kinder fort und Niemand wußte mir zu ſagen, wo⸗ Ach ich bin gewandert von Haus zu Haus, von zu Dorf! Alles war zerſtört, geplündert, niederge⸗ rannt! Jahrelang habe ich geſucht und keine Spur ge⸗ funden! Ach, nehmt mir meine Kinder nicht!“
Der Major hatte während dieſer Erkennungsſcene lei⸗ chenblaß mit rollenden Augen dageſtanden. Plötzlich rief
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