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im Mantel, den Beide ſogleich für den Major erkannten. Waldmann ſchoß den erſten der Kerle nieder, Gotthelf ſprang mit vorgehaltener Piſtole auf den Major zu. Die⸗ ſer rief:„Hölle und Teufel! Ueberfall! Wehrt Euch, Kerle!“
Der Kampf ward hitzig; die zwei Schuß, die Gotthelf und Waldmann noch hatten, gingen in der Finſterniß und Verwirrung fehl. Annchen wurde ins Haus zurückgeſchleppt. Der Major war in die Stube geflüchtet und hatte ſich gegen die Angreifer mit ſeinen Piſtolen in Poſitur geſetzt. In der Hausflur ſchlugen ſich ſeine Leute noch mit den bei⸗ den Rettern. Endlich ſtürmten dieſe in die Thür ein, um Annchen zu befreien. Da ſtand der Major, ein Schütz, der nie fehlte, im erleuchteten Zimmer, die beiden Piſtolen vorgeſtreckt und rief:„Zu Boden, Hunde! Jetzt iſt's am Ende mit Euch!“
Doch als hätte Gott ihn geſchlagen, erbleichte er plötz⸗ lich wie die Wand, ließ die Arme ſinken und die Waffen fielen zu Boden.
Gotthelf und Waldmann, die ſein Erblaſſen für Furcht hielten, ſprangen mit geſchwungenen Säbeln auf ihn ein. Da rief er mit einer furchtbaren Stimme, die ihnen durch Mark und Bein drang:„Halt! Ihr ermordet Euern Vater!“
Und als rollten Gottes Donner des Gerichts über den Häuptern Aller, verſtummten und erſtarrten ſie urplötlich und eine Todesſtille des Entſetzens herrſchte im Gemach. Einen Augenblick darauf aber wurde ſie durch einen lauten Schrei unterbrochen.„Leberecht! Allmächtiger Himmel!“ rief eine Frauenſtimme und Frau Werner, die eben durch die offene Thür hereinflog, ſank in die Knie und hielt die Hände empor, halb flehend, halb betend, halb zitternd,— ihrer Sinne kaum mächtig.
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