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wo er ſchon die Fenſter von Kathy's Haus wenige hundert Schritte vor ſich glänzen ſah.
„Halt, wer da!“ rief ihn eine Stimme an.
Einen Augenblick erſchreckte Gotthelf; doch als Huſar nicht leicht aus der Faſſung gebracht bei ſolchem unvermu⸗ theten Begegniß auf einer Nachtpatrouille, hielt er raſch eine der gezwungener Weiſe, jetzt aber, wie er dachte, doch zu ſeinem Glück mitgenommenen Piſtolen in der Rechten und hielt ſie dem Anrufer vor.„Was wollt Ihr?“
In dieſem Augenblicke erkannte er Waldmann und die⸗ ſer ihn.
„Alſo hier biſt Du zu treffen?“ fragte Waldmann finſter.„Du Lügner!“ ſetzte er Alles durchſchauend hef⸗ tig hinzu.
„Selbſt Lügner!“ fuhr Gotthelf auf.„Iſt hier Deine Feldwacht?“
Die gegenſeitige Beſchämung erhöhte den gegenſeitigen Groll.
„Was haſt Du hier zu thun? Was willſt Du hier?“ fragte Waldmann und bebte vor Zorn.
„Hab' ich Dir darauf Antwort zu geben, der Du hier wie ein Dieb in der Nacht umherſchleichſt?“ rief Gotthelf erbittert.
„Umherſchleichſt!“ fuhr Waldmann im äußerſten Zorn auf.„Ich werde nicht läugnen, was ich hier will! Ich will um Annchen's Hand werben und wer mich daran hindern will, den“—— er brach ab, denn was er dachte, „den ſchieße ich nieder!“ wollte ſeine Zunge doch nicht aus⸗ ſprechen. Doch ſagte er:„Ein Schurke, der mich einen ſchleichenden Dieb heißt!“
Gotthelf's Blut kochte:„Was ich geſagt habe, bleibt geſagt! Ich fürchte mich auch nicht vor der Wahrheit.


