Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Gotthelf hatte indeſſen mit Kathy ein langes Geſpräch geführt, ſie beredet nach Berlin zu ziehen und endlich ge⸗ radezu um Annchen geworben. Darauf erwiderte die Mut⸗ ter:Ich habe nichts wider Euch, aber Ihr müßt mit dem Mädchen reden; daß ſie Euch herzlich gut iſt, glaube ich, doch davon bis zum Heirathen iſt noch weit. Und be⸗ vor nicht Friede iſt, Ihr den Abſchied und Euer rechtliches Geſchäft habt, wird doch nichts aus der Sache!

Gotthelf wollte ſogleich mit Annchen ſprechen, denn dieſe trat eben nach dem Geſpräch mit Waldmann in die Thür. Da ſchlug die Stubenuhr ſechs, und es war die höchſte Zeit, ins Lager zurückzukehren. Darum reichte er ihr die Hand, ſprach:Gute Nacht, Annchen! und drückte ſie ihr warm und zärtlich; ſie erwiderte ihm den Druck eben ſo wie Waldmann in reiner Unſchuld ihres getreuen, wohlwollenden Herzens. Denn ſie hatte auch wirklich Beide ſehr lieb.

Zehntes Capitel.

In dieſer Nacht wurde Beider Vorſatz reif. Jeder für ſich faßte den Beſchluß, um Annchen zu werben. Keiner vertraute ihn dem Andern, denn obwol ſie ſich's verbargen, ſo hatte doch das Feuer der Eiferſucht unter der Aſche fort⸗ geglüht und den feſten Grund ihrer Freundſchaft untergra⸗ ben. Sie hätten Alles für einander gelaſſen, Leben und Gut, doch hier gerade wollte Jeder des Anderen höchſtes Glück für ſich und die Liebe war ſtärker als das Freundſchafts⸗