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die Fremde, und die Thränen drangen aus ihren Augen. „Ach ſolche Kinder ſind ein Segen! Eine ſolche Toch— ter!“—— nund zitternd ſank ſie in den Stahl zurück, von dem ſie ſich erhoben hatte, und weinte bitterlich.
So blieb die Fremde denn im Hauſe. Sie nannte ſich Frau Werner. Kathy und Annchen ſtatteten ſie mit beſ⸗ ſeren Kleidungsſtücken und Wäſche aus; ſie ging ihnen in der Wirthſchaft zur Hand, ſpann, nähte, wuſch, verrichtete Alles ſo geſchickt, ſauber und fleißig, ſprach ſtets ſo ſanft und verſtändig, daß ſie bald von Allen geliebt und geachtet wurde. Sie aber hing ſich mit einer Liebe, Sorge und Zärtlichkeit an Annchen, der ſie das neue friedlich ſichere Loos verdankte, daß dieſe dadurch eine zweite Mutter ge⸗ wonnen zu haben ſchien.
Es verging ein Monat nach dem andern.
Kathy wunderte ſich, daß weder Gotthelf noch Wald⸗ mann ſich zeigten; es war aber ſehr natürlich, denn als ſie nach ihrem Arreſt um Urlaub baten, ſchlug ihn der Ritt⸗ meiſter ſtreng ab, da ſie ihn überſchritten hatten. Sie wagten es nun nicht, ſo bald wieder ihn von neuem zu bitten.— Das Nichterſcheinen dieſer Gäſte that Kathy leid, doch freute ſie ſich dafür, daß ein anderer Gaſt, der Major, ebenfalls wegblieb, und ſie dachte öfters, beſſer, daß ſie Beide fehlen, als Beide kommen.— Der Major hatte ein Commando erhalten, das ihn ſeit mehren Wochen aus ſeinem Standquartier entfernte; allein er wurde zu⸗ rückerwartet und der größte Theil ſeiner Leute ſtand noch im Dorf.
So war die Weihnachtszeit herangekommen. Da er⸗ ſchienen am erſten Chriſtfeſttage Nachmittags Gotthelf und Waldmann zur Freude Kathy's und Annchen's, die Beide auf's herzlichſte begrüßten. Frau Werner war eben im


