Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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und auch Kathy ſetzte ſich mit dem Spinnrade zu ihnen. So verplauderten ſie Stunde an Stunde und ſchienen ein⸗ ander immer lieber zu haben. Nur daß Gotthelf und Wald⸗ mann einander faſt jedes Wort, jeden Blick des holden Annchen's vorwegnehmen wollten und einer immer in die ſichtlichſte, unbehaglichſte Unruhe gerieth, wenn ſie ſich ge⸗ rade zu dem andern wandte.

Es pochte leiſe. Annchen rief:Herein!

Eine arme Frau, ein Bündelchen in der Hand, mit ver⸗

bundenem Haupt trat ſchüchtern ein.

Was wollt Ihr, gute Frau? fragte Annchen ſie freundlich.

Ach, ſprach ſie und blieb in der Thüre ſtehen,ich muß Euer Mitleid anſprechen. Ich bin müde, hungrig, mich friert

Ihr ſeid wol weit gewandert, liebe Frau? unterbrach Annchen die Stockende bewegt, deren Stimme ihr ganz ei⸗ genthümlich rührend klang;ſetzt Euch, Ihr ſollt gleich et⸗ was zu eſſen haben.

Die Arme nahm beſcheiden an der Thür auf der Sei⸗ tenbank, im dunkelſten Theil der Stube Platz. Es war Gotthelf und Waldmann, als komme ihnen die Stimme be⸗ kannt vor, und ſie dachten eben darüber nach, an wen ſie dieſelbe wol erinnerte, als ihnen ferne Trompetentöne ins Ohr klangen. Beide fuhren von ihren Sitzen auf. Es ward zum Abendfüttern der Pferde geblaſen. Sie hatten die Urlaubsfriſt überſchritten! Aus Pflicht- und Ehrgefühl ſonſt ſtets die Pünktlichſten im Dienſt, traf ſie dies wie ein Donnerſchlag. Sie griffen nach Säbel und Bärenmütze und ſtürzten ſo eilig fort, daß ſie ſich kaum zu einer flüchtig zugerufenenGute Nacht Zeit nahmen und ſelbſt von Annchen ohne andern

Gruß ſchieden.

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