— 292—
In überſtürzender Eile erreichten ſie das Lager. Als ſie bei ihren Leuten eintrafen, fanden ſie den Rittmeiſter ſchon
dort, der ſie mit ſtrengen Blicken empfing.„Woher ſo
ſpät?“ rief er ſie an. Beide ſchwiegen; ſie hatten keine Entſchuldigung für ihre Verſäumniß.„Der Unteroffizier ſoll den Huſaren das Beiſpiel der Pünktlichkeit geben,“ fuhr der Rittmeiſter ſtreng fort,„wäret Ihr nicht ſonſt ſo tüchtig im Dienſt, ſo müßte ein jeder von Euch funfzig Fuchtel haben. So mag's mit acht Tagen Arreſt abge⸗ than ſein!“
Sie wurden abgeführt, Beide bald bleich, bald roth vor Verdruß und Scham.
„Ja,“ ſprach Gotthelf bitter zu Waldmann,„das war zu denken! Wenn Einer ſich ſo mit einem Mädchen ver⸗ ſchwatzt, wie Du, da vergißt er Alles darüber und erin⸗ nert einen Kameraden nicht einmal an die Stunde!“
Waldmann antwortete gereizt:„Das willſt Du mir ſagen? Du haſt wol vergeſſen, daß Du eine Uhr haſt und ich nicht? Aber freilich, wenn man mit den Augen gar nicht von einem Mädchengeſicht wegkommen kann, ſo kann man nicht auf ein Zifferblatt ſehen.“
„Und wem der Mund nicht ſtill ſteht, einer Dirne vor⸗ zuſchwaßen,“ fuhr Gotthelf durch Waldmann’'s Antwort nooch erbitterter fort,„der hat freilich keine Zeit übrig, um zu fragen: Was iſt die Uhr?“
Waldmann fuhr auf, doch faßte er ſich, biß die Lippen zuſammen und ſprach kein Wort.
In dieſer Stimmung betraten ſie das Gefängniß. Die Strafe war leicht. Wie bald gehen nicht acht Tage vor⸗ über! Doch erſchien ihnen der Aufenthalt duſterer, als der bei dem Feinde, wo ein martervoller Tod ſie bedrohte. Denn dorthin brachten ſie die Gefühle innigſter Freund⸗
8
—Bᷣ⏑⏑—-—
*


