Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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fragte; nicht ohne einige Verlegenheit geſtand es Wald⸗ mann ein. Es erſchien ihm wie ein halber Verrath, daß er einen Spaziergang ohne ſeinen Freund, mit dem er ſonſt

Alles theilte, hatte machen wollen. Doch hatte Gotthelf dieſelbe kleine Untreue in der Freundſchaft begangen.Und wohin willſt Du? fragte dieſer.

Hm! Ich wollte nur ein wenig umherſchlendern, vielleicht nach dem Wirthshauſe der Kathy.

So!

Beide ſchwiegen einige Augenblicke. Endlich ſprach Gott⸗ helf:Ich wollte auch dahin laß uns doch zuſammen gehen!

Ja, Herzensbruder, rief Waldmann mit Wärme und ergriff ſeine Hand,das wollen wir! So war der kleine Misklang, der erſte in ihrer innigen Freundſchaft, ſchnell vorüber. Gotthelf erhielt auch ſeinerſeits Urlaub und nach liner Stunde ſaßen ſie bei Kathy in der Gaſtſtube, denn das Wetter war rauher als geſtern und im Freien befand ſich kein Gaſt mehr.

Anfangs war es ihnen ſehr unbehaglich, nicht nur weil noch viele andere Gäſte dort waren, die theils rauchten, theils würfelten, ſondern vorzüglich, weil Annchen nicht zum Vorſchein kam. Doch hatten ſie Beide nicht den Muth, darnach zu fragen. Endlich ſtand Gotthelf auf und ging hinaus, in der Hoffnung, ſie vielleicht in der Küche, oder auf der Hausflur anzutreffen und ihr wenigſtens guten Abend zu bieten. Vergeblich, er ſchlich dreimal um das ganze Haus herum, aber bekam ſie nicht zu ſehen. Eben wollte er wieder eintreten, als er aus der Offizierſtube ei⸗ nen großen Mann im Mantel mit einem Federbuſch auf dem Hut heraustreten ſah, der die Kathy nach ſich zog. Halb die Ehrfurcht vor dem Offizier, halb ein dunkler Trieb be⸗

Rellſtab, Geſ. Schr. Neue F. IV. 13