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fürchten und vor mir fliehen, Louiſe,“ ſprach er überre⸗ dend,„die Feſſeln, die Dich armes junges Weſen ſo lange drückten, ſind ja nun zerriſſen und Du darfſt mein, ganz mein ſein. Nicht einen Gatten, ſondern einen ſtrengen, ungerechten Herrn haſt Du verloren, der Dich mit ſträf⸗ licher Ueberredungskraft, und die Unerfahrenheit Deiner Ju⸗ gend misbrauchend, in das duͤſtere Gefängniß einer unglück⸗ lichen Ehe gelockt hatte. Wahrlich, Du haſt ihm keine Treue gebrochen, denn Du warſt ihm keine ſchuldig.“
Wie ſehr ſich Louiſens Gewiſſen gegen die einſchmei⸗ chelnden Verlockungen ſträubte, ſo willkommen waren ſie ihrem ſträflich wünſchenden Herzen. Doch entdeckte ſie dem Geliebten unter Thränen, daß ihr Gatte ihre Schuld ge⸗ kannt und wie er ſie ihr vergeben habe. Zugleich zeigte ſie den Brief vor, durch den ſie verrathen war. Schwarzeck griff haſtig darnach; im Leſen verfinſterten ſich ſeine Züge, er rollte das Auge und ſtampfte wild mit dem Fuße. „Verdammt,“ rief er aus,„ich merke, wer mir den Streich geſpielt hat, aber wart' nur, guter Freund, Du dachteſt mir Gift und Galle in den Leib zu jagen, doch dafür ſollſt Du jetzt Eiſen oder Blei koſten, oder ich will mir meinen Degen zerbrochen vor die Füße werfen laſſen.“
Louiſe zitterte, denn einen ſolchen Ausbruch des Grimms und Zornes hatte ſie noch nie an ihm geſehen, da er ſie mit den gewandteſten Künſten liebenswürdigen Einſchmei⸗ chelns gewonnen hatte und beherrſchte. Es war ihr daher eine wahre Wohlthat, als in dieſem Augenblick Annchen eintrat und halb mismuthig und halb weinend ſprach: „Mutter, Ernſt hat mich ganz allein gelaſſen im Garten, aber ich fürchte mich vor dem Manne mit dem ſchwarzen Bart.“—„Du fürchteſt Dich vor mir, Kleine?“ ſprach Sch lächelnd und nahm ſie bei der Hand.—„Nein,


