Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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tin gebrochen hatte. Zwar hatte ſie den Entſchluß gefaßt, ſich von ihm loszuſagen, nicht mehr nach der Stadt zu fahren, wo ſie ſonſt ihre Zuſammenkünfte mit ihm hielt, doch ſein plötzliches Erſcheinen brachte einen Eindruck auf ſie hervor, aus dem ſie wol erkannte, wie ſchwath ihre Kraft zum Entſchluß der Entſagung war. Sie ging haſtig dem Hauſe zu. Ernſt, der ein ſo großes Wohlge⸗ fallen an dem Reiter gefunden hatte, wollte ſie begleiten; doch die Mutter gebot ihm, unnöthig ſtreng, weil das böſe Gewiſſen ihr die natürliche Ruhe geraubt hatte, er ſolle zurück bei Schweſter Annchen bleiben, denn ſie habe mit dem Fremden allein zu ſprechen. Der Knabe ſah und fühlte an der Art und Weiſe, wie ihm der Befehl gegeben wurde, wiederum nur die ſtiefmütterliche Willkür, welche ihm jede Freude verdarb; doch wandte er ſich um und ging mismuthig zurück, aber nicht zu Annchen, ſondern aus der Hinterthür des Gartens weit ins Feld hinaus.

Mit klopfendem Herzen, beſchämt, verwirrt, näherte ſich Louiſe dem Hauſe; ſie zitterte, als ſie die Thür des Zim⸗ mers aufklinkte, in welchem ſie erwartet wurde.Um Got⸗ tes willen, Karl, was willſt Du hier? rief ſie aus, als ſie den Verführer vor ſich ſtehen ſah,weißt Du nicht, daß Du in das Haus einer Witwe trittſt?

Eben weil ich das weiß, bin ich gekommen, erwiderte er und nahm ſie in ſeine Arme und küßte ſie. Doch er⸗ ſchreckend wollte ſie ſich loswinden und rief aus:Nein Karl, ſo nicht, von nun an nimmermehr! Ach Du weißt nicht, wie elend Du mich gemacht haſt!

Er aber, ſeiner überlegenen Ueberredungskunſt wohl be⸗ wußt, ließ ſie dennoch nicht, ſondern umſchlang ſie nur um ſo inniger und küßte ſie mit dem Ausdrucke der zärt⸗ lichſten Liebe und Theilnahme.Was willſt Du Dich