Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Annchen wird beſſer ſein, nicht wahr mein Kind?Ja Mutterchen, ſprach dieſe unſchuldig, ohne den Bruder krän⸗ ken zu wollen. Ernſt aber empfand es tief; er hatte es redlich gemeint, doch ſah er wol ein, daß er gefehlt hatte. Gern würde er's bekannt haben, aber der Mutter kaltes Auge und mismüthiges Angeſicht ſcheuchte ihn in ſich ſelbſt zurück und Annchens unſchuldiges Wort that ihm in der Seele weh. Er ſchwieg alſo und ſette ſich ſtill ans Fen⸗ ſter. Die Mutter nahm auch das für Trotz und ihr Wi⸗ derwille gegen ihn vergrößerte ſich. Sie gab dem kleinen Mädchen ein Zuckerbrot, ſtreichelte es und ſprach:Sei immer hübſch artig, Annchen, dann habe ich Dich auch liebz niemals mußt Du ſo trotzig ſein wie Ernſt. Die⸗ ſem rollten große Thränen über die Wangen. Er ſah hin⸗ aus über den Garten nach der Kirche und dem Kirchhof zu, wo nun bald der Vater ruhen ſollte. Sein Muth ſank, ihm wurde gar zu bang und weh um das Herz. Die Schweſter wird ſie dir auch abwendig machen, dachte er, denn die iſt noch ein Kind, und wer ihr etwas ſchenkt, den hat ſie lieb. Was ſoll ich ihr ſchenken? Um ſeine Thränen zu verbergen, ſchlich er ſich jetzt ſtill hinaus und ging hinüber in des Vaters Zimmer, wo die Leiche lag. Dort weinte er recht herzlich, bis das Hinüberkommen der Mutter ihn wieder vertrieb. Er ſuchte ihr den Tag über auszuweichen und ſaß und beſchäftigte ſich mit ſeinen Bü⸗ chern, oder im Garten. Auch zu Annchen wagte er ſich

nicht recht hinan, weil ſie ihm einmal, als er ſie küſſen wollte, offen und unſchuldig geſagt hatte:Sei aber doch

nicht ſo unartig, Ernſt. Du mußt die Mutter lieb haben!

So verging dieſer Tag und der folgende. Am dritten wurde der Vater auf dem Kirchhofe beſtattet. In der Kirche, wo der Vicarius dem Hingeſchiedenen vor der gan⸗

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