Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Der vom Schmerz Betäubte lehnte ſeine heiße Stirn auf die Kiſſen, ließ ſeine Thränen rinnen, faltete dann die Hände und betete ſtill. Allein die Mutter hatte das Ge⸗ mach verlaſſen, denn Gewiſſen und Schmerz, Angſt und Bitterkeit der Seele trieben ſie hinaus ins Freie.

Es ward endlich dunkel. Die Maägde wuſchen die Leiche und kleideten ſie in das Todtengewand. Ernſt ging allein draußen im Felde umher und heftige Gedanken wallten in ſeiner jungen Bruſt. Er ſah die goldenen Sterne an und hörte den Herbſtwind ſauſend über Feld und Wald ziehen. Die friſche Nachtluft kühlte ihm die heißen Augen und Wangen. Da richtete ſich ſein muthiges Herz ſtolz und getröſtet auf. Warum ſoll ich mich verloren geben? dachte er, weil mein Vater geſtorben iſt! Soll ich mich vor mei⸗ ner Stiefmutter fürchten? Steht mir denn nicht die ganze Welt offen? Der große Vater, der dieſe tauſend Sterne geſchaffen hat und leitet, der wird mich ja auch behüten. Ich will nicht mehr ſorgen um die Zukunft. Weinen will ich um meinen guten Vater, weil er nun todt iſt und be⸗ graben wird, aber nicht weil er mich nicht mehr gegen die Mutter beſchützt. Ich will ihr gerade heraus ſagen, ſie ſoll gut gegen uns ſein, ſo werde ich ihr auch gehorchen, und Annchen auch. So ging der Knabe wieder nach Haus und ſchlich ſich auf ſein Kämmerlein. Morgens wachte er mit Troſt und Hoffnung im Herzen auf und ging zur Mutter hinunter, die eben Annchen angekleidet hatte und ihr das Haar flocht.Mutter! ſprach er redlich und treu

zu ihr,der Vater iſt nun dahin. Aber ſei Du gut zu

uns, ſo wollen wir auch gut zu Dir ſein. Sie erwiderte lebhaft:Ich will gut ſein, Mutter, dann ſei auch gut zu mir hätteſt Du ſprechen ſollen, Du trotziger Knabe. Willſt Du denn deiner Mutter befehlen und vorſchreiben?