Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Kranken, er ſeufzte noch einmal leiſe, dann ward es ſtill er hatte geendet.

In peinlicher Beklommenheit ſtanden die Angehörigen umher. Ernſt hielt ſein weinendes Schweſterchen in den Armen, küßte es und überſtrömte es mit ſeinen eigenen Thränen. Die Mutter wollte den Kindern nahen und ſie auch küſſen; doch Ernſt, dem ſchon ein tiefer Keim des Haſſes gegen ſie in der Bruſt ruhte, weil ihre Schuld gegen den Vater deſſen Tage verbittert und verkürzt hatte, wendete ſich unwillig heftig ab und zog auch die Schweſter mit ſich.Laß uns! rief der ſtolze, im Schmerz trotzige Knabe,laß uns doch nur ruhig weinen um den Va⸗ ter! Dieſe Zurückweiſung in Gegenwart der Hausge⸗ noſſen, am Sterbebett, ſchnitt tief in die Seele der Ge kränkten ein. Sie fühlte ihre Verſchuldung, doch es fehlte ihrer Bruſt an Liebe, ſie durch Reue zu tilgen, um den Unwillen des Knaben durch liebreiche Milde zu überwinden. Daher rief ſie gereizt unter ihren Thränen:Geh' Du un⸗ gerathener Sohn, der ſelbſt an ſeines Vaters Sterbebett nicht weich und gut wird. Geh' aber verdirb das arme Kind nicht! Zugleich nahm ſie Annchen bei der Hand

und zog ſie von ihm hinweg. Ein wilder Zorn und

Schmerz zerriß die Bruſt des Knaben. Er warf ſich hef⸗ tig auf die Knie an dem Bett des Todten nieder, ergriff deſſen Hand und rief, von Schluchzen unterbrochen:Ach Vater! bleibe bei uns! Nun ſind wir ganz verlaſſen! Nun kommt alles Elend über uns! Chriſtel, die alte Magd, die, ſelbſt oft hart behandelt und gekränkt, des Knaben Schmerz wohl verſtand, trat zu ihm, legte ihm die Hand auf die Schulter und ſprach ſanft:Nein, Ernſt, jetzt mußt Du fromm ſein und beten. Die Todten ſind heilig, da darfſt Du nicht ſo wild rufen und weinen!