Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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gen. Es war unbedacht, es war vielleicht unrecht von mir, daß ich Dich, die ſo viel jüngere, an den ältern Mann zu feſſeln dachte. Ich hoffte, Du werdeſt meinen Kindern eine Mutter, mir gleich einer Tochter ſein; ich habe mich ge⸗ täuſcht es war auch meine Schuld. Ich habe ſie gebüßt, denn die drei Jahre unſerer Ehe waren voller ſchwe⸗ rer Prüfungen, und mein Haar iſt darüber ergraut, mein Herz gebrochen. Doch Dich klage ich nicht an. Jetzt aber, Louiſe, kommt die Stunde, die uns trennt, ich fühl' es, ſie iſt mir nah'. Du wirſt frei, aber meine Kinder werden rathloſe Waiſen. Wer ſoll ſich ihrer annehmen? Du weißt, ich habe keine Verwandte, keinen Freund, der mir ſo nahe ſtände, daß ich ihm die ſchwere, heilige Obhut übergeben dürfte! Du mußt ihre Beſchützerin ſein, Du und der gnädige Vater dort oben. Louiſe, die Schuld ſei ganz von Dir genommen, Alles ſei vergeſſen und vergeben, aber ſage Dich nun los von dem Böſen und verſprich mir, die Mutter meiner Kinder zu ſein. Nur eine Gute vermag es, darum werde gut. Verſprich mir auch ihnen keinen Stiefvater zu geben, bis Ernſt ſeine Schweſter beſchützen kann. Es ſind noch wenige Jahre nur dieſe opfere mir. Hörſt Du, ich bitte Dich, gib ihnen keinen Stief⸗ vater wenigſtens nicht Den, der Dich verführte! Hier brach die erſchöpfte Kraft des Kranken zuſammen, und die Hand, die er der Weinenden, ihr Antlitz Verbergenden hinreichen wollte, um ihr Verſprechen zu empfangen, ſank matt darnieder. Da er ſchwieg, richtete Louiſe ſich auf und ſah ihn betäubt, halb bewußtlos in die Kiſſen zurück⸗ geſunken. Sie ſchluchzte laut und rief:Er ſtirbt, Euer Vater ſtirbt! Kinder, Kinder, kommt herein! Sie waren im Garten und hörten den Ruf der Mutter nicht. Sie öffnete das Fenſter und rief hinaus:Ernſt, Annchen,