Teil eines Werkes 
16. Band = Neue Folge, 4. Band, Erzählungen : 2. Theil (1846)
Entstehung
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der Pfarrer den leſenden Knaben.Es iſt wahr und wahrhaftig, wie auch der Schein der Welt dawider ſei.

Du wirſt es jetzt noch nicht ganz faſſen; wenn Du aber älter biſt, Ernſt, und traurige Tage kommen, dann wird es Dich aufrichten.Wo ſind die Gerechten je vertilget? Drum ſei gerecht, ſei gut, mein Sohn! Vor Allem bezähme Deinen ſtürmiſchen Sinn und werde geduldig! Dein Herz iſt gut, aber Du biſt oft aufbrauſend, heftig, ja trotzig!

Nimmermehr gegen Dich, mein liebſter Vater, rief Ernſt, und Thränen raubten ihm faſt die Stimme.

Sei es auch nicht gegen Deine Mutter! Ach, da iſt ſie!

Louiſe war eingetreten.

Du biſt lang geblieben, ſehr lang, liebe Louiſe, ſprach der Kranke mit mildem Vorwurf;ich erwartete Dich ſchon ſeit Mittag zurück.

Es gab ſo Vieles zu beſorgen in der Stadt, entgegnete ſie mit empfindlichem Ton;es läßt ſich nicht Alles auf die Minute beſchicken, wie man glaubt!

Du wäreſt faſt zu ſpät gekommen, ſprach der Pfar⸗ rer ernſt.

Zu ſpät? Wie das?

Annchen, geh' mit dem Bruder Ernſt noch ein halbes Stündchen in den Garten, bis die Sonne untergeht, ge⸗ bot der Vater freundlich;ich habe mit der Mutter Man⸗ cherlei zu ſprechen.

Sie waren allein.

Louiſe ſtand halb verwirrt, halb zitternd, halb unwillig an dem Sterbelager ihres Gatten; denn ihr Herz fühlte ſich ſchuldig, aber ſie wähnte nicht, daß ihre Schuld ſo völlig gekannt ſei. Wol fühlte ſie, wie läſſig ſie die Pflichten des Hauſes verwaltete, wie wenig ſie den Kindern eine