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„Es iſt wol ein ſchöner Tag heut, Ernſt, warſt Du auf dem Felde?“ fragte der Pfarrer.
„Der Himmel iſt ganz blau und heiter, lieber Vater, aber es iſt kühl,“ antwortete Ernſt.
„Der September geht zu Ende, der Tag iſt ſchon kürzer als die Nacht; was ſollen wir da anders erwarten!—— Saheſt Du nicht ob die Mutter kommt?“
„Ich war bis auf die Birkenhöhe gegangen, aber ich konnte noch keinen Wagen entdecken.“
„Und ſie wollte doch ſchon zu Mittag zurück ſein!“— Ein tiefer Schmerz wurde in den Zügen des Kranken ſicht⸗ bar; er wandte ſich ab. Ernſt fühlte zum Theil auch ſchon, was dieſer Kummer bedeutete; denn es war eine Stiefmutter für ihn und Annchen, die im Hauſe des Vaters waltete, und er wußte, daß ſie gegen dieſen ſo wenig lieb⸗ reich war, wie gegen die Kinder.—„Nimm die Bibel, mein Sohn, und lies mir vor,“ begann der Pfarrer nach einigen Augenblicken wieder;„lies weiter aus dem Buche Hiob.— Annchen ſetze Dich fromm und ſtill zu Füßen meines Bettes und höre zu.“ Annchen nahm ihre kleine Fußbank und that, wie der Vater geboten hatte. Ernſt nahm die Bibel.„Wir waren am vierten Capitel ſtehen geblieben,“ ſprach er und fing an zu leſen:„„Siehe, Du haſt Viele unterwieſen und laſſe Hände geſtärket. Deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet und die bebenden Knie haſt Du bekräftiget. Nun es aber an Dich kommt, wirſt Du weich; und nun es Dich trifft, erſchrickſt Du. Iſt das Deine Gottesfurcht, Dein Troſt, Deine Hoffnung und Deine Frömmigkeit? Lieber, gedenke, wo iſt ein Unſchuldi⸗ ger umgekommen, oder wo ſind die Gerechten je ver⸗ tilget?““
„Ja, dieſes Wortes gedenke, mein Sohn,“ unterbrach


