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Wort nur zu Ende und wollte es vor dem bewegten Kna⸗ ben nicht ausſprechen, daß er bald auf den langen, unge⸗ ſtörten Schlaf hoffe.„Es iſt ſchon ſpät am Nachmittage, nicht?“ fuhr er fort.„Ich ſehe die Sonne trifft ſchon unſere Fenſter; nun wird ſie bald freundlich zur guten Nacht hereinblicken.“
„Dann macht ſie Dir wieder ſchönes, goldnes Haar, Va⸗ ter,“ ſprach Annchen mit unſchuldiger Fröhlichkeit.
„Ja, und rothe Wangen, ſo lange ſie mich beſcheint,“ erwiderte der Kranke und wollte recht freundlich ausſehen. „Die Sonne iſt kunſtreich und lieb, Töchterchen, aus blei⸗ chem Silberhaar macht ſie goldenes und gibt mir auch einen Heiligenſchein, wie dem Apoſtel auf dem Bilde drü⸗ ben in unſerer Kirche. Weißt Du?“ 3 „Wirſt Du auch am Sonntage wieder predigen, Vater?“ fragte das Kind, ſtatt die Frage des Vaters zu beantworten.
„Nein Annchen, vielleicht an noch vielen Sonntagen nicht. Du mußt aber doch hübſch fromm in die Kirche gehen.“
„Mit Bruder Ernſt,“ antwortete die Kleine und ſah zu ihm hinauf;„die Mutter hat nicht Zeit.“
Der Kranke ſeufzte auf und erwiderte nichts.— So blieb es einige Minuten ſtill in der Pfarrſtube. Ernſt, der dreizehn Jahre alt war, vermochte den Zuſtand des Vaters zu beurtheilen; das ſiebenjährige Schweſterchen dachte freilich nicht an den Tod, und wenn es daran dachte, ſo wußte es doch nicht, was es damit zu bedeuten habe. Es war ihr nur ſo traurig, daß der Vater krank zu Bett lag und nicht mit ihr in den Garten gehen konnte, um die ſchönen Aſtern zu beſehen, und die Trauben, die nun ſchon reif wurden. Denn der Herbſt war gekommen und das Dörfchen ſchon rings von buntem Laub umſchimmert.


