24
— 3738—
— Der Sturm hatte ſich gelegt; doch war es draußen noch neblig. Hier und da riß der Wind eine Lücke in das Gewöolk und wir konnten einen Blick in die grüne, ſon⸗ nige Tiefe werfen. Schepphäuſer war ſehr ſtill; er ſchien die Kraft zur Fröhlichkeit verloren zu haben. Hyacinth ſah bleich aus; er ſprach keine Sylbe. Ob er etwas von Dem, was in der Nacht geſchehen war, wiſſen mochte?— Ich glaube faſt. Die Unbekannte und ihr Begleiter brachen auf, Schepphäuſer wäre nicht länger zu halten geweſen. Wir gingen daher Alle zugleich; eine Stunde lang ließ uns der Weg auf dem Kamm zuſammen. Es wurde wenig oder gar nichts geſprochen. Nur die Führer ſchwatzten mit⸗ einander. Jetzt ſchieden ſich die Wege. Die Unbekannte und ihr Begleiter gingen nach der böhmiſchen Seite hinun⸗ ter, wir nach der ſchleſiſchen. Man nahm nur durch einen höflichen Gruß von einander Abſchied. Als die Unbekannte den ſteilen Pfad abwärtsſtieg, ſahen Schepphäuſer und Hyacinth ihr Beide lange unverwandt nach; plötzlich wälzte ſich eine Nebelſchicht heran und verhüllte ſie ihren Blicken. Dennoch ſtarrten ſie noch lange in die trüben Wolken hin—⸗ ein. Der Wind zerriß das Gewölk noch einmal, es ent⸗ ſtand ein kleiner lichter Raum, den die Sonne beſtrahlte; gerade in dieſem wurde die Schöne ſichtbar, wie eine En⸗ gelsgeſtalt in Wolken. Sie hatte den Schleier zurückge⸗ ſchlagen und ſah nach oben; als ſie die beiden Freunde am Rande des Felſen erblickte, legte ſie die Hand auf's Herz, grüßte mit einer leiſen Bewegung des Hauptes hin⸗ auf, verſchleierte ſich dann raſch wieder und wandte ſich ab⸗ wärts. In dieſem Augenblick floſſen aber auch ſchon die Wolken wieder hinter ihr zuſammen. Es war eine Erſchei⸗ nung, als ſehe man ſeine Geliebte ins Meer ſtürzen; noch


