Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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ringelten ſich um den blendend weißen Hals bis auf die ſchwellend wogende Bruſt herab. Schepphäuſer ſtand wie feſtgebannt vor dem Wunderreiz dieſes himmliſchen Weſens; ich wagte keinen Finger zu bewegen, damit mich nicht ein Geräuſch verrathen ſollte. Plötlich ſchlug die Schlum⸗ mernde die großen dunklen Augen auf; als ſie Schepphäu⸗ ſer gewahr wurde, zuckte ſie zuſammen und ein heftiger Schrecken malte ſich in ihren Zügen. Er hatte das Licht auf einen Seſſel geſtellt, legte jetzt die linke Hand auf die Bruſt und den Zeigefinger der rechten gegen ſeine Lip⸗ pen. Die Unbekannte faltete die Hände und beſchwor ihn mit ängſtlichen Blicken zurückzuweichen; zugleich deutete ſie auf ihren Begleiter hin. Schepphäuſer wandte ſich gegen ihn, indem er die Fauſt grimmig ballte und die Stirn in finſtere Falten zog. Die Unbekannte fuhr fort, mit flehen⸗ den Geberden zu ihm zu ſprechen; er kniete zu ihr nieder, beugte ſich gegen ſie, ergriff ihre beiden Hände und be⸗ deckte ſie mit Küſſen. Die Unbekannte richtete ſich ein wenig empor, er zog ſie näher und näher, drückte ſie feſt an ſich und preßte glühende Küſſe auf ihre Lippen. Sie zitterte an ſeiner Bruſt, als würde ſie zum Tode geführt; doch umſchlang ſie ihn in unauflöslicher Umarmung. End⸗ lich ſank ſie ermattet wieder zurück; Schepphäuſer ſtand leiſe auf und ging behutſam auf den Zehenſpitzen wieder an ſeinen Platz zurück. Dort löſchte er das Licht und dichte Finſterniß erfüllte jetzt den innern Raum der Kapelle; nur ein bleicher dämmernder Schimmer fiel von außen her

herein. Der Sturm tobte und raſte noch wie zuvor. Zwar

legte ich mich wieder zum Schlummer nieder; doch erfüllte Das, was ich geſehen, meine Phantaſie ſo, daß ich wach blieb, bis der Schein des Tages die Uebrigen weckte.