Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

360

uns nicht fuͤnf Schritte von einander entfernen durften,

ohne uns zu verlieren. Brrr! Wir haben uns den Berggeiſt mit unſern Pre⸗ digten auf den Hals gelockt! rief Schepphäuſer.Jam⸗

mer und Schade, daß ſeine Gewalt ſich nicht über die Kir⸗

chen Berlins erſtreckt! Was würde er da für Wolken hin⸗ einjagen, welch ein Windsgeheul anfangen, um die ſchlech⸗ ten Reden in der Geburt zu erſticken. Aber das Wet⸗ ter wird hundemäßig ſchlecht; laßt uns hier in dem Felſen⸗ loche bei dem Traiteur Very, der ſich dort angeſiedelt hat, eine Taſſe Kaffee trinken gegen das böſe Uebel.

Mit dieſen Worten kroch er in eine Felsſpalte, wo ſich ein induſtriöſer Gebirgsbewohner als Kaffeewirth anſäſſig ge⸗ macht hatte. Wir folgten ihm, um das böſe Wetter ab⸗ zuwarten.

Aus Schepphäuſer's Tagebuch.

Auf der Schneekoppe.

Der Teufel ſchreibe, wenn Einem die Finger ſo ver⸗ klammt ſind, daß man kein Weinglas mehr feſthalten kann, geſchweige eine Feder. Wir ſitzen in der Kapelle, die der Fortſchritt des Jahrhunderts zu einer ſchlechten Kneipe avancirt hat. Vom Schluß meiner Kanzelrede an, bis zum Anfange dieſer Zeilen, oder von den Schneegruben bis zur Schneekoppe haben wir eine Reiſe gemacht, unge⸗ fähr ſo intereſſant, als ob man mit einem ledernen Sack über dem Kopf in einem finſtern feuchten Keller ſpazieren ginge. Denn die Wolken lagerten ſich ſo dicht um uns her und der Wind trieb uns den naſſen Nebel ſo ins Ge⸗ ſicht, daß wir nicht drei Schritte vorwärts ſehen konnten

.

-