Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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nen Plaudertaſche den Mund zu verſiegeln, daß ich ihr hinter einem Felsſtücke einen Kuß raubte, als aus Nei⸗ gung. Das eine freute mich an ihr, ſie wurde feuerroth bei meiner dreiſten Ueberraſchung; denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß ich Sturm lief. Mädchen ſind Feſtungen, die man am beſten durch einen Ueberfall einnimmt; mit einer weitläufig angeſtellten Belagerung erlangt man(wenn die Feſtung nicht ſchon zu einer offenen Stadt geworden iſt, wo Jeder einpaſſiren darf, der den Thorzoll entrichten will) ſelten mehr, als daß man den Feind aufmerkſam macht. Ueber dieſe ganze Art der Kriegführung denke ich nächſtens ein Werk zu ſchreiben, das, hoffe ich, von Nutzen ſein wird. Ich ſchreibe es aber griechiſch, damit der Feind es nicht verſtehe, denn ſonſt würde ja die Wirkung umgekehrt. — Holla, das Frühſtück!—

Nun Sack auf die Schulter, Stock in die Hand, Marſch!

Hier hört Schepphäuſer's Tagebuch abermals auf. Hya⸗ cinth's bietet nichts Merkwürdiges dar, da er ſich in ſenti⸗ mentalen Ergießungen über das ſchöne Geſchlecht und die ſchöne Natur erſchöpft. Ich gebe daher wieder meinen eig⸗ nen Bericht als Ergänzung. Wir ſtiegen den Reifträger hinan und befanden uns bald auf der Höhe des Rieſen⸗ kammes. Schepphäuſer wurde ungemein fröhlich, doch miſchte ſich in ſeinen Frohſinn eine Wehmuth, die mir faſt wie Rührung über die Schönheit der Natur ausſah. Hya⸗ cinth dagegen gewann durch die Bergreiſe, die Anſtrengung, durch die Eindrücke der kühnen, wilden Natur etwas mehr Maännlichkeit, ſodaß beide Charaktere ſich einander mehr an⸗ näherten und es mir begreiflich wurde, wie ſie, ſo verſchie⸗ den, doch ſo nahe Freunde ſein konnten.— Wir wander⸗ ten vergnügt auf der Höhe hin, die von dem heiterſten

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