Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 37—

Weder ſie, noch ihre Mutter erſchienen bei Tiſch. Am andern Morgen waren ſie ſchon nach Warmbrunn zurück⸗ gefahren, als wir uns eben aufmachten, um die Gebirgs⸗ reiſe anzutreten. Sie wollten anfangs wenigſtens einen Theil derſelben mit uns machen, allein der Plan war auf⸗ gegeben. Ich kann nunmehr wieder Einiges aus Schepp⸗ häuſer's Tagebuch mittheilen.

Neue ſchleſiſche Baude am II. Sept.

Wie Schlangen die Haut, ſo haben wir nunmehr glück⸗ lich eine langweilige Reiſegeſellſchaft nach der andern abge⸗ ſtreift. Selbdrei(denn der Naturforſcher hockt uns noch auf wie ein zu ſchwerer Torniſter) ſind wir hier in dieſer ſileſiſchen Sennhütte angelangt und warten auf das Früh⸗ ſtück. Aus dem Fenſter ſehen wir den Reifträger(der aber nach dem 11. September getauft ſein muß, da er noch nichts von einem Reifrocke an ſich hat), über den wir nachher klettern müſſen, und in der Tiefe das Zackenthal, wo jetzt meine kleine Berlinerin*) wandert und ihr anmu⸗ thiges mir und mich Verwechſel das Pfählchen ſpielen läßt. Ich hätte die Kleine gern mit auf das Gebirg ge⸗ nommen, denn ſo albern und dumm ſie war, ſie war hübſch, wenn ich nur ein Mittel gewußt hätte, ihren Haſenfuß von Ehegemahl und ihre Knochenbeilage von Mama im Thale zu laſſen. Hätte ich dieſe Beide erſt bis an den Rand der Schneegruben gehabt, ſo wäre mir nicht weiter bange ge⸗ weſen: Ein Stoß— und die Sache war abgemacht**).

*) Er meint die Schneidermeiſterin, deren Stand er nicht kennt.

**) Ei Herr Schepphäuſer, das ſieht ja faſt aus wie eine Ahnung! Wenigſtens kann Ihre erbauliche Betrachtung mir zur Gewiſſenserleichterung dienen.