Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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Reich, ſchön, blühend an Geſundheit und Jugend, mit einer gebildeten Seele— aber an die ewig kränkende, rohe Ge⸗ meinſchaft mit ihren Verwandten gefeſſelt, die wie immer wiederkehrende Musquitos ſie fortwährend mit empfindlichen Stichen quälten und, was noch ſchlimmer war, jeden Tropfen der erquickenden Freude trübten, oder wie Son⸗ nenbrand aufzehrten, nach dem ihr ſehnendes Herz dürſtete!

Harry war vom Vater unterrichtet; man kann ſich den⸗ ken, daß der rohe Menſch, durch die Verſchmähung gereizt, demſelben treulich im Quälen der Armen beiſtand.— Darum ſuchte Eveline dieſe frühen ſchönen Stunden, wo ihr Herz ſich mit heiteren Morgenträumen erquickte, die ihr eine hol⸗ dere Zukunft malten.— Doch von Sir Atwood's Verfah⸗ ren gegen ſie erhalten wir ſo eben ein Beiſpiel. Während die Miß am Nelkenbeet ſteht und ſich der neuen Ordnung erfreut, kommt ein Diener mit einem Blllet auf ſie zu. „Vom Herrn,“ ſagt er, indem er es ihr übergibt, und entfernt ſich wieder. Eveline erſtaunt. Sie öffnet und lieſt:

„Mit unangenehmem Erſtaunen bemerke ich, daß Sie überfrühe Spaziergänge im Garten zu lieben ſcheinen. Dieſe ſind weder ſchicklich für ein junges Mädchen, noch kann die Morgenkühle und Feuchtigkeit Ihrer Geſundheit zuträglich ſein. Ich muß Sie alſo erſuchen, ſie zu unterlaſſen, da ich als Ihr Vormund in beiden Beziehungen über Sie zu wachen und die Pflicht habe, mein Betragen ſo einzurich⸗ ten, daß ich weder eigne, noch fremde Vorwürfe, noch am Ende ſpäterhin gar die Ihrigen verdiene.

Ihr Oheim P. Atwood.“

Eveline las, ſeufzte und wollte ſchweigend ins Haus gehen, als eine Stimme ſie anredete:„Unterthänigſten gu⸗ ten Morgen, Miß! Gefallen Ihnen die Nelken ſo? Ich habe ſie heute ein wenig in Ordnung gebracht, aber ſie ſol⸗