Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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dahin nicht bemerkt zu haben, weil ſie nach der eben in einem Purpurmeer verſinkenden Sonne blickte. Erſt als ihr Führer Harry auf den beſcheidenen Gruß des alten Skey ein kaltesguten Abend erwiderte, indem er den Hut kaum lüftete, wandte ſie ſich, um Harry's Unart bei dem alten Mann, den ſie ſtets freundlich und zuvorkom⸗ mend grüßte, gut zu machen. Da ſah ſie ihn in Beglei⸗ tung. Jenny war aufgeſtanden und ſtand ſchüchtern neben dem Vater; die Thränen waren ihr nah.Guten Abend hatte Eveline ſo eben mit ihrer wohltönenden, freundlichen Stimme geſagt, als ſie ihre Worte unterbrachMein Gott! rief ſie,iſt denn das Jenny? Und noch ehe ſie die Worte vollendet hatte, hing ſie an dem Halſe des Mädchens.Jenny, meine liebe Jenny, rief ſie,wie groß und ſchön Du geworden biſt! Aber biſt Du's denn wirklich? Jenny war ſo überraſcht, daß ſie nicht zu ſpre⸗ chen vermochte, ſondern in Thränen in den Armen der Freundin lag.

Ich wünſchte, ein Maler hätte die Gruppe gezeichnet. James Skey, ein wahrer Patriarchenkopf, blickte mit ſtum⸗

mer Rührung auf ſeine Tochter und Evelinen hin; was mochte in ſeiner Seele vorgehen, da er in beiden das Eben⸗ bild ſeiner liebſten Hingeſchiedenen ſehen mußte! William ſtand mit dem ſtillen ernſten Ausdruck ſeines Geſichts einige Schritte davon, aber im Auge glänzte ihm eine Thräne, von der es ſchwer zu entſcheiden war, ob ſie dem Schmerz

oder der Freude gehörte. Der alte Atwood, der eben

den Hügel hinaufgekeucht war, ſah 4 verdrießlich aus, als

ob er ein längeres Debet als ebe in ſeinem Contobuch geſchrieben hätte, und Sir Harry ſchnitt ein Geſicht wie Einer, der in eine Citrone beißt. Hinterm Buſch ſtand

unſer Horcher, dem große Thränen über das tiefgefurchte .