Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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gehört. Nur ſo viel weiß ich, daß er Seedienſte genommen hat. Wir wohnten damals Alle in New⸗Caſtle, wo wir von dem Vater ein kleines Geſchäft, das uns aber reichlich ernährte, geerbt hatten. Der Bruder hatte ſein Vermögen in Geld verwandelt und es mit ſich genommen. Eure Mutter, liebe Kinder, war wohlhabend; ich hatte zur Ge⸗ nüge und wir hätten daher ein ſorgenfreies Leben führen können. Doch der Haß, den die Verwandten meiner Molly gegen mich hatten, brach jetzt, da der Bruder fort war, vor dem ſie ſich ungemein fürchteten, weil ſie ihn je⸗ der kühnen, wenn auch unbeſonnenen That fähig hielten, mit immer wachſender Stärke aus. Nicht nur daß ſie jede Verbindung mit uns abbrachen, worüber ſich meine gute Molly im Stillen oftmals bitter härmte, ſondern ſie leg⸗ ten unſerem Glück alles irgend Mögliche in den Weg. Das Schlimmſte war, daß ihr Zorn einen Diener in einem höchſt gewandten aber völlig gewiſſenloſen Rechtsgelehrten fand, der mich wegen des Vermögens Eurer Mutter in einen langwierigen Proceß verwickelte. Dieſer wurde mit Abſicht ſo koſtſpielig eingeleitet, daß ich bald in Verlegen⸗ heit über die Mittel gerieth, wie ich die Vertheidigung des Unſerigen fortſetzen ſollte. Indeß liehen mir, wie ich meinte, gutwillige Leute Geld; aber das war eben die Falle, denn jener Advokat hatte, ſo erfuhr ich nachmals, die Leute ſelbſt zu dem Darlehn bewogen, kaufte darauf ihre Forderungen an ſich und trieb ſie nach einem ſchlau angelegten Plane. gerade zu einer Zeit ein, wo ich auch in meinem Handels⸗ geſchäft große Zahlungen zu leiſten hatte. Unſer Vermögen hätte vielleicht mehr als zehnmal ausgereicht, um die For⸗ derungen zu befriedigen, aber es fehlte uns an baarem Gelde und da der größte Theil unſeres Beſitzes durch meinen Pro⸗ 3 ceß angefochten war, ſo hielten ihn die Leute für unſicher,