Teil eines Werkes 
15. Band = Neue Folge, 3. Band, Erzählungen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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geſchlichen war und ſich daher durch die mindeſte Bewegung verrieth. Als James innehielt, blieb er daher lautlos, mit angehaltenem Athem halb vorwärts gebeugt ſtehen; denn be⸗ greiflicher Weiſe wäre es ihm fatal geweſen als Horcher entdeckt zu werden.Kurz, ich genoß das ſüße Glück der Vereinigung mit meiner Geliebten, mein guter Bruder aber mußte den Schmerz der Trennung ertragen. Was that ich nicht, um den Vater der reizenden Eveline zu bewegen. Eveline! rief William, der bisher in finſterem Schweigen geſeſſen hatte, hieß ſie Eveline? Ja, mein Sohn; und ich möchte faſt ſagen, Du kenneſt ſie. Denn Du kennſt ihre Tochter, Deine Jugendgeſpielin, die ſchöne Miß Eveline Atwood; dieſe gleicht ihr ſo, daß ich ihr oft wie im Traume nachſtaune, wenn ſie an meinem Hüttchen vorübergeht, weil ich mir einbilde, die ſchöne Ju⸗ gendzeit ſei zurückgekehrt und ich wandle wieder unter De⸗ nen, mit denen ich jung war. Ach ſie gleicht ihr an hold⸗ ſeliger Geſtalt wie an ſanftem Herzen! Doch laßt mich fortfahren. Mein Bruder, ehrlich, aber heftig, beſchloß endlich dem trübſeligen Zuſtande ein Ende zu machen; er ſchrieb ſeiner Eveline einen Brief, wodurch er die ſüßen Banden löſte.Ich gehe, ſchrieb er,denn man muß den Schmerz enden; es wird Dir ſchwer werden, aber doch leichter, mich zu entbehren, wenn Du mich nie wieder ſiehſt, als wenn mein Bleiben dem Schmerz täglich neue Nahrung gewährt. Ich gehe; betrachte mich als einen Todten, denn Du wirſt mich nimmer mehr ſehen, nie mehr von mir hören. Dieſen Brief mußte ich überbringen; es war der bittere Gegendienſt für jene gefährliche Thut, durch die der Bruder mein Glück gegründet hatte. Ach, der Auftrag war ſchwer! Der Bruder ging er hat Wort gehalten, wir haben nie wieder durch ihn von ihm

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