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verfallen war, aus und zog Eduard zu ſich heran.„Jetzt verſtehe ich mein ahnendes Herz, als ich Dich in Algier kämpfen und fallen ſah! O, ich kenne dieſe ſchöne Narbe! — Du bluteſt? Du haſt auch heute gefochten!— O Gott, Du überſchütteſt uns mit Gaben des Segens!“
Die letzten Worte verklangen matt; Clermont ſank erſchöpft zurück. Ein ehernes Herz wäre überwältigt wor⸗ den von dieſen Gefühlen.
Es war ein ſchöner Auguſtabend. Das Meer brannte im Purpur der Abendröthe. Die Maſten im Hafen von Toulon ragten hoch mit fliegenden Wimpeln in den roſigen Aether hinein; goldner Schimmer ſtrahlte von den Zinnen der Dächer und Thürme. Ein ſanfter Hauch der Lüfte vom Meere herüber bewegte die Wellen, bewegte die Ge⸗
büſche..
Auf der Terraſſe ſeines Landhauſes ſaß Clermont an der Seite ſeiner Gattin; Marie neben Eduard, ſanft in ſeinen Arm gelehnt. Victor und Eugenie, Adolph und Leontine hatten ſich vertraut umfaßt.— Betty, deren heitre Züge ein zufriedenes Gemüth verriethen, band Blumen zu einem Strauß. Deſormery ſtand in tiefe Gedanken verſenkt und ſtützte ſich auf einen Gartenſeſſel.
„Die Sonne ſinkt ſo ſchön ins Meer! Wer weiß, was ſie uns morgen bringt?“ ſprach er mit bewegter Stimme.
„O, Freund,“ entgegnete Clermont,„die Sonne dieſes Jahres hat ſo ſchöne Früchte gereift, daß wir ihr wol ver⸗ trauen dürfen.— Mein Blick ſtreift hinüber nach der Küſte, wo ſie mir funfzehn Jahre lang nur zum Jammer aufſtieg, wo ſie noch vor wenigen Monden die Sklaven⸗ 6


