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„Bei Gott, der bin ich. Doch ſprecht, Ihr wißt von den Meinen? Wo iſt meine Gattin? Wo ſind meine Kinder?“ Eduard vermochte kaum noch an ſich zu halten. Die Mutter, welche jedes Wort lauſchend vernahm, ſprang auf von dem Ruhebett und wollte nach der Thür. Nur mit Mühe hielt man ſie zurück; mit bebender Bruſt blieb ſie an der halb geöffneten Thür ſtehen. „Die Ihrigen leben“ ſprach der Arzt.„Wenn Ihre Krafte wiederkehren, wollen wir Sie zu ihnen führen.“
„Kräfte?“ rief Clermont, indem er ſich emporrichtete; „ich bin ſtark wie ein Löwe. Wo ſind die Meinigen? Ich weiß es, ich bin ihnen nahe; doch Ihr haltet mich zurück. Führt ſie zu mir oder das Herz zerſprengt mir die Bruſt. Leontine! Wo biſt Du? Meine Kinder!“
Als dieſe Stimme ertönte— wer hätte die Gattin noch zuruckgehalten?„Clermont,“ rief ſie laut und ſtürzte auf ihn zu,„Clermont, hier iſt Deine Gattin!“
„Leontine!“ rief er und breitete die Arme aus und zog ſie an die verwundete Bruſt.„Leontine!“ Seine Stimme erſtickte in Thränen.„Leontine! So iſt es denn endlich wahr geworden!—— Aber wo ſind meine Kinder? Wo iſt mein Sohn?“
Sie umſtanden bebend das Lager des Vaters. Die Mutter wand ſich ſanft aus ſeinen Armen und deutete auf die drei holden Geſtalten; aber Worte hatte ſie nicht.
Der Vater ſtreckte die Hände zu ihnen hinüber, die Kinder ergriffen ſie und netzten ſie mit ihren Thränen. Er zog ſie einzeln heran und küßte ihr theures Antlitz.
Plötzlich aber wurden ſeine Blicke dunkel und ſtarrten irr vor ſich hin.
„Nein!“ ſprach er verworren,„es ſind Traumbilder!
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O, wie oft hatte ich ſchon ſo grauſam ſüße Träumel


