Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

349

waren. Er unterſuchte die Wunde, fühlte, daß die Kugel nicht tief eingedrungen, daß die Verletzung nicht tödtlich ſei; nur die gewaltſame Erſchütterung hatte die Betäubung verurſacht.

Mit freudeſtrahlendem Blick wandte er ſich zu der ſtumm flehenden Mutter und ſprach:Er wird leben. Ich darf es vor Gott verſichern, ich rede die Wahrheit nach meiner feſten Ueberzeugung.

Da brach ein ſeliger Strahl der Freude aus dem Auge der Betenden, aus tiefſter Bruſt entquoll ihr ein hinſter⸗ bendes Ach, als ob ſie den letzten Athem verhauchte, und bewußtlos ſank ſie in die Arme ihrer Töchter zurück.

Auf einen Wink des Arztes führte man ſie in das Ne⸗ benzimmer auf ein Ruhebett.

Jetzt nahm der Arzt mit einem leichten Schnitt die Kugel aus der Wunde und dann wurden alle Mittel an⸗ gewandt, den Betäubten zum Bewußtſein zurückzubringen; bald öffnete er das Auge und blickte erſtaunt umher.

Victor und Adolph ſtanden ihm zunächſt; Eduard war im Nebengemach bei der Mutter.Wo bin ich? fragte Clermont verwundert.Unter treuen Freunden! erwiderte Adolph.

Ich kenne Euch, wackere Kameraden. Haben wir geſiegt?

Die Farben Frankreichs wehen von allen Thürmen! Das Vaterland iſt frei!

Dank dem Allmächtigen; dieſes Wort füllt meine Bruſt mit neuem Balſam des Lebens. Nun hat mein Herz nur noch einen Wunſch! O, wäre ich im Schoos der Meinen!

Sie ſind nahe! antwortete Victor.

Ihr kennt mich?

Oberſt Clermont.