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in das anſtoßende Zimmer, wo ſich Frau von Clermont befand, fiel dieſer zitternd und athemlos an die Bruſt und rief:
„Er iſt da! Er iſt gefunden! Eugeniens Vater!—“
„Allmächtiger Gott!“ rief Frau von Clermont und ſtand wie an den Boden gefeſſelt. Sie erblaßte, bebte, verſuchte zu reden, das Wort verſagte ihr; halb von Betty getragen, ſchwankte ſie mit krampfhaft wallender Bruſt in das andere Zimmer. Kaum aber warf ſie den erſten Blick auf Clermont, der bleich mit geſchloſſenen Augen da lag, als ſie in die Knie ſank und rief:
„Er iſt's! O ew'ger Gott der Gnade!“
Eugenie lag in Victors Armen, halb bewußtlos, Leon⸗ tine, die im dritten Zimmer Betty's Ruf gehört hatte, ſtürzte eben herein unnd warf ſich zu der Muͤtter nieder. Auch Marie und ihr Vater folgten in heftigſter Bewegung. Als Deſormery den Verwundeten erblickte, blieb er wie an den Boden gewurzelt, ſtehen und ſprach:„Ja, bei Gott, das iſt Clermont! Das iſt keine Täuſchung!“
„Bei der Barmherzigkeit des Himmels!“ rief Frau von Clermont, die Hände ringend,„ſagt mir, iſt er todt? Soll ich nach funfzehn Jahren nur ſeine Leiche wiederſehen! O, redet! redet! Laßt mich nicht umkommen in dieſer na⸗ menloſen Angſt!“
„Er iſt ſchwer verwundet, ohnmächtig, doch wir hoffen, er werde das Licht wieder erblicken,“ antwortete Adolph und trat der Jammernden entgegen, um ihr emporzuhelfen.
Ein junger Arzt, der ſchon bei dem Kranken thätig war, ſprach tief gerührt:„Er wird ſich gewiß erholen; ich hoffe ihn zu retten.“
Bei dieſen Worten ſprang Frau von Clermont auf, ergriff mit der Rechten heftig Leontinens, mit der Linken Eugeniens Hand, zog ſie Beide an ſich, warf ſich dann
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