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„Ich habe es mit meinen Augen geſehen und wahrlich, ich wollte, ich hätte es nicht geſehen,“ antwortete der junge Mann, den Eduard heftig bei der Schulter gefaßt hatte. „Wohin hat man ihn gebracht? Um Gottes willen, gebt mir Auskunft, der Gefallene iſt mein Vater!“ „Man trug ihn dorthin nach der Straße St. Honore zu.“ Eduard ſtürzte nach. Er blickte ſpähend umher; doch in dem Gedränge war es unmöglich, einen Einzelnen her⸗ auszufinden. Er fragte überall. Doch man hatte leider viele Todte, viele Verwundete hinweg und in die nächſten Häuſer tragen ſehen. Endlich blieb ihm nichts Anderes übrig, als nach Hauſe zu ſtürzen, um von dort aus alle Mittel auf⸗ zubieten, den Verlorenen aufzuſuchen. Victor und Adolph hatten unterdeſſen ihren tapferen Führer in Deſormery's Haus gebracht und ließen ihn hin⸗ auftragen in die Zimmer, welche zur Aufnahme Verwun⸗ deter eingerichtet waren. Die Thür öffnete ſich. Betty und Eugenie waren in dem erſten Zimmer beſchäftigt. Bei dem Anblick Victors und Adolphs ſtürzten ihm dieſe mit einem freudigen Ausruf entgegen; denn ſeit der Kampf ſo mächtig entbrannt war, hatten ſie ja die Woh⸗ nung nicht betreten.— Doch Victor winkte den Andrin⸗ genden und ſprach mit einem Stille gebietenden Zeichen: „Wir bringen Euch einen Theuern, ſchwer Verwundeten, viel⸗ leicht gar einen Sterbenden. Ihr müßt ihn ſorgſam pflegen.“ Betty trat heran und betrachtete den Kranken, indem er auf ein Ruhebett gelegt wurde, aufmerkſam. Plötzlich ſchrie ſie wie vom Wahnſinn ergriffen auf:„Er iſt's! Eu⸗ genie, es iſt Dein Vater!“ Und ehe ihr Jemand wehren fonnte, ſtürzte ſie hinaus
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