Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

316—

verhüllten und gefeſſelten, jetzt aber ihre Banden mächtig ſprengend, unbeſiegbar einherſtürmenden Wahrheit in ſein Nichts zuſammenſtürzen mußte, war da.

„Wir wollen die Antwort erwarten,“ ſprach er ruhi⸗ ger.„Alsdann iſt es noch Zeit, das Volk zu hören.“

Ein zweites Zuſammenſtrömen, ein erneutes, freudiges Jauchzen und Jubeln der Menge erregte abermals die Auf⸗ merkſamkeit des Oberſten. Das Getümmel kam näher und näher. Bald erkannte man einen kleinen, ältlichen Mann mit ſilberweißem Haar, der, in einem Seſſel ſitzend, mit zwei Krücken im Arm, von dem Volke getragen und mit liebender Emſigkeit umringt wurde. Sein lebhaftes Auge blitzte feurig, er ſprach mit freundlichem Ernſt rings zu allen Bürgern

„Wer iſt das?“ fragte Clermont.

Victor wußte es nicht. Adolph aber ſprach mit be⸗ wegter Stimme:„Das iſt der treueſte Freund des Volks, der unerſchrockenſte Kämpfer für die Frei⸗ heit, der edelſinnigſte Bürger Frankreichs— es iſt Benjamin Conſtant!— Krank, vielleicht dem Tode nahe, läßt er ſich von ſeinem Schmerzenslager auf die Stelle der Gefahr tragen, wohin die Noth des Vater⸗ landes ihn ruft. Aber, Ihr ſeht es, die Bürger tragen ihn auf ihren Händen.“

Clermont blickte mit Ehrfurcht auf das Haupt des alten, kränklichen Mannes, dem in der ſterbenden Bruſt

das Herz eines Löwen ſchlug, unter deſſen bleicher Scheitel

das ewige Feuer der Wahrheit, das glänzende Licht der Frreiheit ſtrahlend glühte.

Er trat dicht heran. Als der Zug einen Angenblick anhielt, ſchritt er mit dem edeln Selbſtgefühl eines Man⸗ nes, der berechtigt iſt, auf eignen Werth zu bauen, dem