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Marie hatte ſich einigermaßen wieder erholt. Mit ban⸗ ger Ahnung ſah ſie Louiſon's ſcheinbare Ruhe und Erge⸗ bung; ſie empfand es wohl, daß ihre Seele ſchon halb jenſeits war. Sanft legte ſie den Arm um die Schweſter; kaum vermochte dieſe noch einen Fuß zu heben. Halb ge⸗ tragen von Marien gelangte ſie wieder bis an die Thür ihres Zimmers. Dort ſank ſie ganz in ſich zuſammen und mühſam brachte die Schweſter ſie wieder auf das Lager zurück. Hier entſchlummerte ſie ſogleich; bald aber athmete ſie ängſtlich, öffnete das Auge halb, ſah bewußtlos umher, ſprach jedoch keine Sylbe. Marie betrachtete ſie mit unaus⸗ ſprechlicher Angſt; jeden Augenblick ſchien ihr der Zuſtand gefahrvoller, endlich vermochte ſie es nicht mehr, allein zu bleiben, ſondern eilte hinüber, den Vater zu rufen.
Sie fand den Greis in einem Lehnſeſſel, ermattet, halb entſchlummert; auf dem redlichen Antlitz ſchwebte ein Zug der Sorge und des Grams. Tief gerührt trat Marie vor ihn.„Soll ich ihn wecken,“ dachte ſie,„und zu welchem Schmerz! Aber würde er mirs je vergeben, wenn er ſein ſterbendes Kind nicht noch einmal geſehen hätte?“ Leiſe be⸗ rührte ſie ſeine Hand und flüſterte:„Vater!“
Er erwachte.
„Louiſon iſt ſehr krank, ich ängſtige mich, o komm einen Augenblick hinüber!“
Er folgte der Tochter eilig. Als ſie in das Gemach der Kranken eintraten, fanden ſie dieſe im heftigſten Todes⸗ kampf; die Bruſt flog, der Blick ſtarrte irr vor ſich hin.
„Gott, ſie ſtirbt!“ rief Deſormery und rang die Hände.„Henry!“ rief er hinaus,„eile zum Arzt, aufs ſchnellſte!“ 3
Dieſen Ruf hörte Frau von Clermont, die allein noch unermüdet thätig in einem der Vorderzimmer war. Sie


