Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Entſetzens fuhr Marie zurück; Louiſon ſchien nicht überraſcht. Sie ſprach mit ſeltſamer Stimme:„Siehſt Du, daß ich es wußte? Aber fürchteſt Du Dich vor Leichen, Marie?“

Die heftig Erſchreckte war in die Knie geſunken; ſie bebte, ihr Buſen flog, ſie konnte die Sprache nicht wieder finden. Mühſam hob ſie ſich endlich an Louiſon's Hand, die ſie nicht los gelaſſen hatte, empor und ſchwankte gegen das Ruhebett zu, auf welchem Lormeuil lag. Dort mußte ſie ſich vor Ermattung zu Füßen des Todten niederſetzen.

Louiſon war der entſeelten Hülle näher getreten. Mit einem unbeſchreiblichen Blick, der aus einem irren Wahn der Freude und tiefſtem Jammer zugleich gemiſcht war, blieb ſie unbeweglich vor dem Todten ſtehen. Sie legte ihre Hand langſam an ſein Herz und ſprach:

„Es ſchlägt nicht mehr!“

Dann trat ſie näher gegen das Haupt hin, ſtrich dem Todten das Haar ein wenig aus der Stirn und ſagte mit einem herzzerreißenden Lächeln:

„Er ſieht noch immer mild und freundlich aus. Nicht wahr, Marie?“

Dieſe vermochte nicht zu antworten.

„Ja, Du ſitzeſt zu ſeinen Füßen. Das ſollte mein

Platz ſein. Aber ich werde bald treu an ſeiner Seite liegen.“ Erſt jetzt fiel ihr Blick auch auf die andern Leichen, die in einiger Entfernung im Hintergrunde des Zimmers lagen. „Sieh, dort iſt auch der treue Diener und hier der treue Freund. Ein ſchöner Jüngling! Ein edles Herz! Sie ſind mit ihm geſtorben, Marie;— das will ich nun auch!“

Sie ſeufzte leiſe auf, legte die Hand auf die Bruſt und blickte mit jenem irr' träumenden Lächeln gen Himmel auf.