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Deſormery ſagte Marien nicht, daß Lormeuil todt ſei, daß die Leiche nur wenige Schritt von dem Gemach ent⸗ fernt auf der Bahre liege. Er täuſchte ſie mit der Nach⸗ richt, daß er ſchwer verwundet und gefangen ſei, Adolph aber ſich bemühen wolle, ihn in Freiheit zu ſetzen. Indeß manche Wahrheiten dringen durch alle Hüllen, mit denen man ſie verſchleiert, hindurch; ſo war es auch hier. Marie ſah nur eine düſtere Zukunft, eine ſchreckenvolle Löſung des verworrenen Gewebes dieſer ſchmerzlichen Ereigniſſe heran⸗ nahen. Sie hörte des Vaters Worte, doch ohne zu ver⸗ muthen, daß er ſie abſichtlich täuſche, glaubte ſie nicht daran; auch würde ihr Herz durch dieſe Hoffnung nicht be⸗ ruhigt worden ſein. Mochte es doch wahr ſein, daß er lebe, was konnte das helfen? Eine Ahnung, die ihr mit furchtbarer Unwiderruflichkeit ins Herz drang, rief ihr zu— es iſt doch Alles vergeblich. Und wenn er lebt, wenn Loui⸗ ſon geſund und heiter erwacht— das Unheil geſchieht den⸗ noch, denn es ſtand zu beſtimmt in ihrer Seele.
Endlich dämmerte der Tag herauf. In den leiſe be⸗ wegten Gebüſchen des kleinen Gartens wurden einige Vö⸗ gel wach; ein friſcher Morgenhauch drang durch das geöff⸗ nete Fenſter. Sanft röthete ſich der klare Aether und warf einen roſigen Schein herab auf das noch im Schatten der Dämmerung zwiſchen hohen Mauern liegende Gärtchen. Marie lehnte ſich hinaus und warf einen frommen Blick nach dem Gewölbe des Himmels hinauf. Da drang ihr der Troſt mit ſanfter Gewalt in die Seele. Es war, als riefe eine innere Stimme ihr zu:„Ueber Gräbern wachſen Roſen. Keine Wunde iſt ſo tief, ſo ſchmerzlich, daß die Hand der ewigen Güte ſie nicht zu heilen vermöchte. Ein
Opfer wird der Himmel fordern, aber, im Schmerz vere⸗


