Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Dreiunddreissigstes Capitel.

Als Louiſon endlich aus ihrer langen ſtarren Betäu⸗ bung erwachte, kehrte ihr jedoch mit den Zeichen des Lebens nicht die Klarheit der Beſinnung zurück. Sie blieb in fie⸗ berhaften Träumen, erkannte die Schweſter nicht, die vor ihrem Bette ſaß, wußte nicht, wo ſie ſei, nicht was mit ihr geſchehen war. Verworren nannte ſie Lormeuil's, nannte ſie des Vaters Namen; bald ſprach ſie von Flucht und Rettung, dann wieder von treuer Liebe und gemeinſamem Tode. Die düſtern Schrecken ihrer nächtlichen Wanderung, beſonders aber die Erinnerung an den ſchauerlichen Fall über die Leiche, den ſie gethan, kehrten ihrem Bewußtſein zurück und ängſtigten ſie mit tauſend verworrenen Schreck⸗ bildern.—„Rettet mich!“ rief ſie,„rettet mich aus den Armen der Leiche!— Halt, Schweſter, geh' nicht weiter! Flüchte, ſie dringen ein, ſiehſt Du die blinkenden Säbel?— Geſchwind rette Dich, die Dächer ſtürzen ein und erſchla⸗ gen uns Alle— ach, ich kann nicht mehr weiter! Die Leiche hält mich grauſenvoll mit kalten Armen umklammert. Sieh nur, wie das Blut über mich herunterſtrömt. Weh mir, ich bin die Todtenbraut! Im Sarge iſt mein Hoch⸗ zeitbett!— Marie! Sei ſtill! Verrathe mich nicht! Ich kehre bald wieder— aber ſprechen muß ich ihn noch ein⸗ mal! Gute Marie! Ach, Du weißt nicht, was Liebe iſt— Du weißt nicht, was Reue iſt! Wie die Natter ſich um meine Bruſt ringelt und mich mit der glühenden Zunge gerade ins Herz ſticht!— Lormeuil! Ich ſterbe mit Dir! Ich verlaſſe Dich nicht, ich will Dich decken im Kampf, durch mein Herz muß der Stahl dringen, der Dich durchbohren ſoll!“—