Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
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Der dumpfe Ton der Schildwacht hatte etwas Schau⸗ erliches.

„Beweint auch Ihr einen unter den Todten, Freund?“ fragte Victor.

„Ich weine nicht. Aber hier neben mir liegen meine beiden Brüder.“

Von tiefem Schmerz ergriffen legte Victor, ſich abwen⸗ dend, die linke Hand an die Stirn und reichte die rechte dem Unglücklichen theilnehmend dar.

„Dieſe Nacht bewache ich die Leichen. Morgen wird die Mutter ſie abholen und beſtatten, und ich— werde ſie rächen!“

Victor ſchwieg; es war ihm, als müſſe die Bruſt ihm ſpringen im tiefen Schmerz. Unbeweglich ſtand er da und betrachtete den Unglücklichen, der, auf die Hellebarde ge⸗ lehnt, düſter zur Erde blickte.

Es hallten Schritte über den Platz durch die Stille der Nacht. Jemand kam gerade auf ſie zu— es war Adolph. In ſtummer, unbeſchreiblicher Rührung drückte Victor den Bruder an das Herz. Noch lebte er, noch hielt er ihn in ſeinen Armen! Der Unglückliche vor ihnen blickte troſtlos auf zwei Leichen hinab! Dieſer ſchroffe Gegenſatz machte, daß die Liebe zu dem Bruder in hellen Flammen verdoppelt emporſchlug. Es war ihm, als ſei er ihm nie⸗ mals ſo theuer geweſen.

Adolph war durch einen beſondern Grund hergeführt worden. Er wollte ſich von Lormeuil's Geſchick überzeu⸗ gen. Daß kein Schweizer gefangen worden war, daß ſie Alle das Leben eingebüßt hatten, wußte er bereits. Er wollte jetzt unter den Leichen die des unglücklichen Freun⸗ des— denn trotz der widerſtrebenden Geſinnungen mußte

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