Teil eines Werkes 
14. Band = Neue Folge, 1. Band, Algier und Paris im Jahre 1830 : 2. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 297—

die Kämpfer in langen Reihen auf dem Boden und erquick⸗ ten ſich durch einen ſüßen Schlummer, zum Theil auf dem harten Stein. Vielen hatten die Einwohner der nächſten Häuſer jedoch Decken, Matratzen oder Stroh gebracht. Auch lagen Viele auf den Hausfluren.

Victor übernahm die Poſtenkette nach der Seite der Seine zu, Adolph die nach den Boulevards. Ueberall fanden ſie wachſame, muthige, kundige Leute, die mit gro⸗ ßer Umſicht gewählt waren; ein Zeichen von der Erfahrung und dem ſchnell beurtheilenden Blick des Oberſten.

Nachdem Victor alle Befehle pünktlich vollzogen hatte, kehrte er über den Kampfplatz, wo Lormeuil gefochten hatte, zurück; die glühenden, rauchenden Trümmer des Wachtge⸗ bäudes beleuchteten ihn ſchauerlich düſter. Auch dort war jetzt die Ruhe zurückgekehrt, denn rings an den Häuſern lagen die Kämpfer und ſchliefen. Noch kannte Victor das Ergebniß des Gefechts nicht; bald aber wurde es ihm auf erſchütternde Weiſe klar. Er ſah einen Bürger, auf eine Hellebarde gelehnt, gleich einer Schildwacht ſtehen.„Wen bewacht Ihr hier, mein Freund?“ fragte er ihn.

„Die man am wenigſten zu bewachen braucht, die Leichen.“

Victor ſah nach der Seite hin, wohin der Finger des

Bürgers deutete, eine lange Reihe todter Körper, die er in der Dunkelheit für Schlafende gehalten, lag neben einander.

„Sind das Alles Bürger?“ fragte er mit dem Aus⸗ druck des Schmerzes.

„Hier vorn, ja. Es hat zweiundſechzig Todte ge⸗ koſtet.— Morgen wird wol Jeder die Seinigen holen und ſie beſtatken.“

13**