Beziehung den harten Maßregeln, durch welche die Beam⸗ ten gezwungen wurden, ihre Stimme nach der Anſicht der Regierung zu geben, nicht ausgeſetzt.— Erſt ſpät hatte er ſich vermählt, aber ſeine Gattin bald wieder verloren. Zwei Töchter, Marie, die ältere, noch nicht neunzehn Jahr, und Louiſon, die jüngere, eben ſiebzehn, waren ihm geblieben. Mit dieſen lebte er in der großen Hauptſtadt Paris ziemlich eingezogen, wiewol er es nicht abſichtlich vermied, in Ver⸗ bindung mit Denen zu treten, die ihm in ihrem Verhält⸗ niß ziemlich gleichſtanden. Marie war damit ſehr zufrie⸗ den; ſie hatte einen häuslichen Sinn, liebte die Muſik, hatte Talent dafür und belehrte ſich gern durch Leſen. Louiſon dagegen, obwol von gutem Herzen, wäre gern mehr in der zaßßn Welt geweſen, und beneidete manche ihrer Freun⸗ dinnen um die Geſellſchaften, die Bälle, die Opern und Schauſpiele, denen dieſe freilich weit häufiger beiwohnen durften als ſie.⸗ Zum Theil mochte ihre Jugend dieſe Nei⸗ gungen entſchuldigen, doch war Marie in demſelben Alter ſchon ernſter geweſen. Louiſon beſaß Geiſt, namentlich einen raſchen Verſtand, auch Witz, aber bei weitem weni⸗ ger Kenntniſſe als ihre Schweſter, noch jene Einſicht in tiefere, ernſtere Dinge, jene richtig abwägende Vernunft, die ſich ſo weit von den glänzenderen, jedoch oberflächlichen Gaben des Verſtandes unterſcheidet. Sie erkannte überall das Rechte, verſtand das Edle, begriff das Erhabene; Louiſon entdeckte ſchnell die ſchwachen Seiten der Dinge und Perſonen und wußte dieſe nicht ohne Geſchick anzu⸗ greifen. Marie empfand tief, Louiſon war leidenſchaftlich. Sie ergriff alle Dinge mit Heftigkeit, erkaltete aber bald in ihrem Eifer dafür, Marie blieb bei Dem, was ſie wählte, mit ſteter Wärme. Sie hatte eine wohlwollende Theilnahe me für Alle, Neigung für Wenige; Louiſon entſchied ſich
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