— 38—
derſelben anzutreffen. Ja bisweilen ſteigerte ich den Wunſch faſt eigenſinnig bis zu einem feſten Glauben und nicht ſel⸗ ten bin ich einem vielleicht ganz Unbedeutenden lange leiſe und unbemerkt nachgeſchritten, nur von dem Gedanken voll, er ſei etwa General Foy, oder Manuel, oder Chateau⸗ briand.“
In der engen Straße hatten ſich mehre Wagen ineinan⸗ der verfahren; man mußte eine Zeit lang ſtill halten, bis der verwickelte Knäuel des Gedränges gelöſt ſein würde.
„In mir bewegen ſich andere Gefühle und Gedanken,“ entgegnete Frau von Clermont mit einem leiſen, halb un⸗ terdrückten Seufzer.„Mächtig treten die Bilder der Erin⸗ nerung auch in mir hervor, aber leider führen ſie meiſt nur Schattengeſtalten vor meine Seele.— Wie viele der gro⸗ ßen Männer, die ich noch gekannt, deren Ruhm ich wachſen ſah, ſind dahin! Als ich zum letzten Male in Paris war, weilte ich ich hier noch an der Seite Deines Vaters. Täg⸗ lich ſah ich damals noch jene großen Helden aus der Zeit der Freiheit und des Ruhms! Viele haben den Tod auf dem Schlachtfelde gefunden, viele ſind ſpäter, ſchon in Vergeſſenheit bei der flüchtigen, undankbaren Nachwelt, ein⸗ zeln dahingegangen und man hat ihr Scheiden vom Le⸗ ben kaum bemerkt. Ja nach etlichen Monden fragte man ſich wol, ob ſie noch lebten oder ſchon begraben ſeien; ſo gleichgültig wird der Menſch ſelbſt gegen Die, denen er einſt mit voller Begeiſterung der Seele anhing.— Auch den Kaiſer ſah ich zuletzt noch hier, als er eine große Heerſchau auf dem Marsfelde hielt. Damals empfand ich es, was ein Mann vermag. Es waren mehr denn funßzigtauſend Mann beiſammen, unter ihnen die tapferſten Führer und der Kern aller ſieggewohnten Krieger Frankreichs. Dennoch, das glaubt mir, Niemand dachte oder ſprach:„Dies Heer


