— 324—
mal durch, denn eine Viertelſtunde werden die Trümmer nicht in der Luft herumfliegen.“ Dieſe kräftige Rede brachte den vor Schreck halb wahn⸗ ſinnigen Baruch ein wenig wieder zur Beſinnung.
„Meint Ihr, daß die Gefahr vorüber iſt?“ fragte er kleinlaut. „So gut wie beim Blitz, wenn Ihr erſt den Donner hört,“ entgegnete der ungeſtüme Troſtredner.„Nehmt Euch alſo zuſammen, geht auf die Gaſſe hinaus, horcht rechts und links, was es Neues gibt, und bringt uns davon Nachricht.“ Baruch nahm die ermattete Rebekka an dem Arm und verließ mit ihr das Zimmer. Der Oberſt war indeſſen mit großen Schritten auf und nieder gegangen. Das wichtige Ereigniß, die nahe Ero⸗ berung Algiers durch die Franzoſen, hatte ihn zu heftig bewegt, als daß er auf die kleinen Vorfälle um ihn her ſonderlich hätte achten ſollen. Große Gedanken, mächtige Gefühle kämpften in ſeiner Seele.„Iſt es denn wahr? Wäre der Augenblick wirklich nahe, wo ich wieder ein Vaterland haben, einem Volke angehören ſoll? Werde ich die Meinen wiederſehen, den theuern Boden meiner Heimat noch einmal betreten?— Aber weh' mir, iſt es mir nicht verſagt? Bin ich nicht ein Geächteter? Frankreich, Frankreich! Wie tief biſt du von deiner ſtolzen Größe gefallen! Liegſt du wieder in den alten Ketten? Schmiegen ſich deine Söhne ſklaviſch und verächtlich, kriechend und heulend unter das Joch, oder knirſchen ſie in ihre Bande und toben ſie dagegen wie ge⸗ feſſelte Löwen?— Sei es, wie es ſei! Ich will den Boden meiner Heimat betreten. Was kümmert es mich, ob ein
Richtſchwert über meinem Haupte ſchwebt? Ich trotze dem
i
—
—


