—
— 323 Zwölktes Capitel.
Die Männer ſprangen der armen Alten zu Hülfe; Giacomo ſprengte ihr Waſſer ins Geſicht und rüttelte ſie ziemlich unſanft. Sie kam wieder zu ſich, eben als auch Baruch voller Angſt, keuchend, weil er die Treppe mit einer für ſein Alter zu großen Schnelle heraufgeſtürzt war, die Thür aufriß und mit den verzerrteſten Geberden rief:„Gott Jehovah, rette dein Volk! Helft uns, Ihr Franken! Ver⸗ derbt nicht die duldenden Söhne Iſraels! Seid großmüthig!“ Er ſchrie ſo heftig und athemlos hinter einander fort, daß er die tröſtenden Worte des Oberſten gar nicht vernahm.
Endlich brachte ihn der Anblick ſeines todesmatten Wei⸗ bes auf eine andere Bahn ſeiner Gedanken.„Rebekka! Frau! Hat Dich das Verderben ſchon getroffen? Unheil iſt über unſer Haus kommen! Die Rache Gottes trifft unſere Häupter! Dich hat der Zorn des Herrn geſchlagen! Rebekka, Tochter Rahels, flehe um Hülfe bei dieſen Chriſten!“
„Hölle, Tod und Teufel!“ fuhr endlich Giacomo auf und ſtampfte mit dem Fuß, indem er den im Zimmer hin und her laufenden und die Hände ringenden Juden bei den Schultern packte und mit nervigen Armen feſthielt.„Ba⸗ ruch! Seid Ihr denn vom Satan beſeſſen? Ihr kreiſcht ja wie eine Schiffstrompete! Fühlt Euch doch an den Kopf damit Ihr endlich merkt, daß er noch auf Euern Schultern ſitzt. Glaubt Ihr denn, daß die Welt untergehen wird, weil man eine lumpige Schanze in die Luft geſprengt hat? Wenn Euch bis jetzt noch kein Balken oder Eckſtein auf den alten kahlen Schaͤdel gefallen iſt, ſo ſeid Ihr für dies⸗
*


