Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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eines Säuglings. Nachts halte ſie geheime Zuſammenkünfte mit einem Zauberweibe und ihre Seele habe ſie nach hun⸗

dert Jahren dem Erbfeinde verſchrieben.

In der Burg diente ein junger Knappe, der hieß Benno; ſein Vater war ein armer Köhler im Burgbann und dem Grafen von der Schwarzburg unterthan, deshalb hatte er, wiewol bekümmerten Herzens, den Sohn auf die Burg lie⸗ fern müſſen als Dienſtmann des Raubgrafen. Benno hatte unter den Knappen, die mit ihm dienten, einen Freund, Egbert, den er wie ſeinen Bruder liebte, und dem er ſein ganzes Herz offenbarte. Dieſem hatte er geſtanden, daß eine unbezwingliche Leidenſchaft zu der ſchönen Wallhaide

ihn ergriffen habe. Egbert ſchlug voll Entſetzen die Hände

über dem Haupt zuſammen und rief:Benno, das iſt Dein Unheil! Wehe Dir, wenn Du das ſtolze Weib mit einem Blicke beleidigſt! Der martervollſte Tod würde Dich treffen. Doch Benno lächelte geheimnißvoll und ſprach: Das habe ich nicht zu fürchten!

An dem nämlichen Tage, es war zur Winterszeit und lag hoher Schnee, ritt der Raubgraf auf die Wolfsjagd. Als die Jäger mitten im Dickicht waren, brach plötzlich ein

grimmiger Wolf aus dem Buſch und warf ſich auf Wall⸗

haide's Roß. Es bäumte ſich, ſtürzte, die ſchöne Reiterin lag hülflos am Boden und das Unthier packte ſie, um ſie zu zerfleiſchen. Sie war verloren, wenn nicht Benno vom Pferde geſprungen wäre, den Wolf mit den Händen an der Kehle gepackt und ſo mit ihm gerungen hätte; denn das Schwert zu ziehen, oder den Kolben vom Sattel zu hen⸗ ken, war keine Zeit geweſen. Doch Wallhaide raffte ſich indeſſen ſchnell auf und, kühn wie ſie war, durchſtieß ſie das grimmige Thier mit dem Speer. Dann ſchwang ſie ſich

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