Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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zu Noß. ohne dem treuen Benno auch nur mit ei⸗ nem Blicke zu danken. Er aber war dennoch voller Freude. Ddrrei Tage ſpäter kehrten die Jäger eines Abends wie⸗ derum von der Jagd heim. Als Wallhaide vom Pferde ſteigen wollte, ſprang Benno hinzu, ihr den Bügel zu hal⸗ ten. Im Abſteigen verlor ſie einen Handſchuh und Benno ſah ihre weiße Hand. Da riß ihn die Gluth ſeiner Liebe hin und er wagte es, im Vorbeiſtreifen ſie mit den Lippen zu berühren. Doch Wallhaide ſtieß ihn zürnend zurück und rief:Frecher Knecht, Du wagſt es, an Deiner Herrin zu freveln? Da ſchauderten die Umſtehenden zurück, denn ſie wußten, daß Benno nun verloren ſei. Er bebte und wagte keinen Laut von ſich zu geben. Wallhaide aber ließ ihn an Händen und Füßen binden und ihm dann einen breiten Rie⸗ men feſt um den Mund ſchnallen, daß er keinen Laut von ſich geben konnte. Als dies geſchehen war, ſprach ſie:Die niedrigen Lippen dieſes Knechts, die meine Hand beſudelt haben, ſollen von nun an weder von Trank noch Speiſe, noch von einem Hauch oder Laut berührt werden. Er ſoll ſtumm bleiben in ſeinem Leid. Jetzt reißt ihm die Kleider herab, werft ihn auf den Schnee und peitſcht ihn, bis er in ſeinem ſtrömenden Blute an den Boden friert. Das wird ihm die freche Gluth ſchon kühlen!

Zufällig war der alte Köhler, Benno's Vater, im Hofe, als Wallhaide dieſen gräßlichen Befehl gab; er fiel ihr zu Füßen und bot ſein Haupt an für das ſeines Sohnes. Doch die Grauſame rief:Thut ihm desgleichen! Und der Greis wurde gebunden und, entblößt wie der Sohn, zu Boden ge⸗ worfen. Hier ließ ſie Beide peitſchen, daß das Blut in den Schnee floß und zu Eis gefror. Da befahl ſie aufzuhören, damit die Marter länger dauere. So mußten die Unglück⸗ lichen in der Winternacht nackt auf dem Schnee liegen;