Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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Fenſter praſſelte, ſchmiegte ſich die kleine Nanny an mich und begann ihre Erzählung mit der Frage:

Seid Ihr auf den Rabenklippen geweſen, Herr?

Nein!

Schade. Dann wüßte ich etwas Schauerliches! Oder vielleicht kennt Ihr das Märchen ſchon von dem ſchwarz⸗ geharniſchten Ritter und dem Mönch, die Nachts auf brau⸗ ſenden Rappen gegen die Rabenklippe anreiten? Und wenn der Ritter mit dem Speer gegen den Fels ſtößt, ſo reißt er ſich zum weiten Thore einer Höhle auf, wo Haufen Gol⸗ des wie im rothen Feuer glühen. Da ſprengen die Beiden hinein und krachend ſchließt ſich die Höhle. Dies ſieht ein alter Köhler. Sagt, kennt Ihr die Sage?

Nein, Nanny; aber erzähle; mich dünkt, ſie ſei ſchauer⸗ lich und das hört ſich gern an ſo düſterm Abend!

So will ich von den Rabenklippen zuletzt erzählen zuvor von dem Fräulein auf der Schwarzburg, wenn Ihr die Geſchichte nicht etwa kennt!

Kein Wörtchen davon, kleiner Schelm; ich glaube, Du willſt mich nur neugierig machen?

Ja, das iſt ein wunderbares Märchen! Oder es iſt eigentlich kein Märchen, denn es geht Alles ganz natür⸗ lich zu; aber es iſt eine grauſige Geſchichte!

Nun, ſo fang an, Nanny, ich bin geſpannt!

Auf der Schwarzburg, ich glaube ſie lag im wilden Ockerthale, wohnte ein Raubgraf, der war der Schrecken der Umgegend. Noch mehr aber war es ſeine Tochter, die ſchöne Wallhaide; denn ſo ſchön ſie war, war ſie doch noch viel ſtolzer und grauſamer. Sie verachtete die Frauen und haßte die Männer, aber männliches Thun ſagte ihr doch noch mehr zu als weibliches. Stets begleitete ſie ihren Va⸗ ter auf die Eber⸗ und Wolfsjagd, und dann trug ſie ein