Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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Wahrlich, da iſt Nanny noch!Tritt doch herein, Kind! Nun, willſt Du heute noch hier bleiben bei der Muhme? Ich muß wol, ſprach die Kleine trübſelig,denn ich mag meine Sonntagskleider nicht ſo naß werden laſſen. Aber recht lange Weile habe ich hier. Heute iſt es ja öder im Alexisbad als droben bei uns, wo doch den ganzen Tag Fremde kommen. Hätte ich's nur gewußt, ich hätte heute früh um ſechs Uhr mit hinauffahren können nach der Vic⸗ torshöhe, denn es iſt geſtern Abend noch ſpät eine Herr⸗ ſchaft hier angekommen, ein alter Herr und eine alte und eine junge Dame, die ſind hinaufgefahren. Allein wir ka⸗ men erſt um drei Uhr vom Tanze und da hab' ich bis vor einer Stunde geſchlafen!

Laß Dich's nicht gereuen, Nanny; Du leiſteſt mir nun heut Geſellſchaft. Sieh, ich kann auch nicht fort in dem mörderiſchen Regen. Vormittag geh' Du in die Küche und hilf das Eſſen bereiten, ich will arbeiten. Nachmittag trinkſt Du den Kaffee mit mir und ich erzähle Dir etwas von der großen Stadt Berlin.

Ach ja, rief ſie freudig, und ſchlug in die Hände; von den herrlichen Schlöſſern und vornehmen Damen, und von ſchönen Prinzen!

Was Du willſt, Nanny! Unterdeſſen wird vielleicht das Wetter heller und wir gehen ein wenig das Thal hinab. 4 So kommt unvermerkt die Dämmerung heran und dann erzählſt Du mir noch ein Märchen! 3

Gern, gern! rief ſie und war wieder fröhlich. Wir machten es genau wie wir geſagt, nur daß wir nicht ſpa⸗ 1 zieren gingen, weil es unaufhörlich regnete. Als die Däm⸗ merſtunde kam, ſetzten wir uns in die Ecke des großen Saales auf das Sopha, ließen das Licht ganz am andern Ende ſtehen und während draußen der Regen gegen die