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ſie wagten kaum näher zu treten. Auf dem Raſen lag im weißen Kleide ein Mädchen; ſie ruhte mit der Stirn auf ihrem Arme, als ſchlummere ſie ſanft, und die Kniee waren eingebogen, gleichſam als ſei ſie im Gebet entſchlafen und ſanft nach vorn hinübergeſunken. Die Leute richteten ſie em⸗ por und da ſahen ſie, von heiligem Schauer erfüllt, Ger⸗ truds jungfräuliches Antlitz, ſo hold und ſchön, wie ſie je⸗ mals geweſen war, und in ihrem Haar grünte ein Myrthen⸗ kranz, und eine fremde, weiße Blume darin leuchtete wie ein ſilberner Stern.
„Sie iſt eine Heilige geworden, die Engel haben ſie ſo gekleidet!“ ſprachen die Männer und knieten nieder. Dann flochten ſie eine Bahre aus grünen Zweigen und trugen ſie ſanft hinab. Wie ſie aber durch die Schlucht in's Thal wollten, unten am Fels vorbei, wo ſie damals Roberts Hut entdeckten, war der Weg durch mächtige Granitblöcke geſperrt, die über Nacht von einem durch den Blitz geſpal⸗ tenen Felſen herabgerollt waren. Die Männer mußten einen Umweg nehmen, weit in die Felſen hinein, welche durch die Zerſplitterung zugänglich geworden waren, wo ſonſt Niemand hinkommen konnte. Plötzlich ſtockte der Zug.„Bei meinem Heiligen,“ rief der voranſchreitende Greis,„das iſt Roberts Leichnam, der hier vor mir liegt!“ Er war es; in dunkler Felsſpalte hatte er die langen Jahre hindurch gelegen, bis die herabgeſchlagenen Blöcke dem Licht und dem menſchlichen Fuß einen Weg dahin bahnten. Auch Robert trug die Züge des Jünglings, als hätte die kalte Steinkluft ſie unverſehrt erhalten.
Und Alle erkannten, wie der Herr des Himmels gewal⸗ tet hatte. Sie legten Roberts Leiche zu Gertruds, die Bahre war ihr Brautbett, und ſie wurden mitſammen eingeſenkt zur Ruheſtatt des ewigen Friedens.“


