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vergangen, da ſah ſie einer Matrone gleich; und wieder zehn Jahre, ſo war ſie grau, gefurcht, gebeugt, wie achtzig alt. Die Leute ſagten, ſie altere dreifach mehr als Andere, damit ſie die Büßezeit ihres Geliebten abkürze. Freundlich und mild blieb ſie aber ſtets und Niemand erſchrak vor ihr; denn ſie that Keinem etwas zu Leide und den Kindern war ſie wie eine hütende Mutter, daß keines je in den Bergen zu Schaden kam. Sie ſprach immer weniger und erzählte auch nicht mehr vom Goldkraut und der ſchönen Fee und dem alten Bergmanne; zuletzt nickte ſie nur, wenn Jemand ſie grüßte und ging ſtumm, leiſe wie ein Schatten, vorüber.
So verſtrichen einundzwanzig Jahre. Da, am drei⸗ zehnten Abend nach St. Johannis, ſah man ſie ſpät im Dunkeln durch das Thal gehen; und ſie grüßte Alle, die ihr begegneten, freundlich, und ſprach wieder, und ihre Stimme klang wie in ihrer Jugendzeit. Im Walde, bei der
Kapelle, betete ſie ſtill, und als der Klausner, der dort
wohnte, ſie anredete, erwiderte ſie:„Frommer Vater, der Tag der Erlöſung iſt da. Der Herr iſt mild und barm⸗ herzig und verzeiht den Fehlenden um der Buße willen. An mir wird es ſich bewähren!“
So ging ſie in den Wald hinein und winkte dem Klaus⸗ ner, daß er ihr nicht folgen möge. In der Nacht kam ein furchtbares Gewitter herauf; der Donner rollte unaufhörlich durch die Berge und der Blitz ſchlug in die Felſen ein, daß die Trümmer krachend herabſtürzten. Am Morgen war das Wetter vorüber und die Sonne ging klar auf. Holzſchläger zogen durch den Wald an ihre Arbeit. Da rief der Eine von ihnen plötzlich:„Halt! Was iſt das? Seht her! Hier auf derſelben Stelle, wo wir vor einundzwanzig Jahren die arme Gertrud fanden, liegt ein Mädchen im Graſe!“
Alle ſtanden ſtill, der Athem ſtockte ihnen in der Bruſt,


