Teil eines Werkes 
5. Band (1843) Sagen und romantische Erzählungen / von Ludwig Rellstab
Entstehung
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war bleich und erſtarrt; der Thau hatte ihr aufgelöſtes Haar durchnäßt, daß es ihr ſchlaff über Schultern und Nacken hing, ihre Lippen bebten im Fieberfroſt. Die Leute machten mitleidig eine Bahre und trugen ſie hinab. Als ſie im Thale ankamen und unten an den Felsklippen vorbei⸗ gingen, die unter dem ſchroffen Felſen des Hexentanzplatzes liegen, rief der Eine:„Seht, dort oben an dem Felszacken, hängt da nicht ein Hut im Geſtrüpp?“ Alle blickten hin⸗ auf und ſchauderten.„Den kann nur der Teufel dort auf⸗ gehangen haben,“ rief Einer von ihnen,„ein Menſch ver⸗ mag dahin nicht zu klimmen!“

Der Wind ſpielte mit den Zweigen der Gebüſche, wehte den Hut herab und trug ihn über Felsſpalten und Abgrunde, bis er wieder im Geſträuche hängen blieb.

„Bei meinem Schutzpatron,“ rief jetzt ein Anderer,„das iſt der Jagdhut Roberts; ich kenne ihn an der grünen Feder und der rothen Schleife.“

„Hm! Roberts Hut? Wahrhaftig!“ rief der Andere; „und ſein Mädchen droben zwanzig Schritt vom Abgrund halb todt! Das kommt mir bedenklich vor!“

Grauſender Vermuthungen voll trugen die Holzſchläger das arme Mädchen nach Haus. Dann eilten ſie mit vielen Landleuten und Gefährten an den Fels zurück, um nach Robert zu forſchen, der über Nacht nicht zu Haus gekom⸗ men war. Sie drangen auf Leitern ſo weit vorwärts, als

es menſchlichen Kräften möglich war; Andere ließen ſich an

langen Seilen oben vom Fels herab und ſpähten in die Klüfte hinunter. Doch es war keine Spur von Roberts Leichnam zu entdecken. Die Felsſpalten gähnen dort ſo tief und dunkel hinab in den Bauch der Erde, daß nie ein Lichtſtrahl hineinfällt; dort, ſo glaubte man, mochte der Unglückliche liegen.